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bi'bakino #20

KARA KAFA — SCHWARZKOPF

Donnerstag, 01.12. um 20 Uhr, Deutschland-Premiere
Weitere Vorstellung : Sonntag, 04.12. um 20 Uhr
IN ANWESENHEIT VON DEM REGISSEUR KORHAN YURTSEVER

bi’bakino #20 wird ein sehr besonderer Abend mit einer Deutschland-Premiere! Wir haben die Ehre, den in Deutschland gedrehten Spielfilm Kara Kafa (Schwarzkopf) von Korhan Yurtsever aus dem Jahr 1979 zum ersten Mal in Deutschland zeigen zu dürfen und zu diesem Anlass den Regisseur für ein Künstlergespräch zu begrüßen.

„Kara Kafa“ wurde nach seiner Fertigstellung von dem damaligen Zensurkomitee in der Türkei sofort mit der Begründung verboten, der Film verletze „die Ehre Deutschlands, der befreundeten Nation“. Die Weltpremiere des Filmes fand daher erst mit 32 Jahren Verspätung auf den Filmfestspielen in Antalya 2011 statt. „Kara Kafa“ hebt sich vor allem mit seinem linkspolitischen Blick auf Migration und seiner offenen Gesellschaftskritik von anderen Beispielen des deutsch-türkischen Migrationskinos ab.

„Kara Kafa“ erzählt das Leben des Metallarbeiters Cafer in Deutschland und die immer ausweglosere Situation für ihn und seine Familie, die er aus seinem Dorf in der Türkei nach Deutschland nachholt. Cafer ist überzeugt, dass Deutschland das Land der unbegrenzten Möglichkeiten ist und ihn aus der Armut retten wird. Er vertritt die Meinung, dass alle Arbeitsmigrant*Innen, die in Deutschland eine Arbeit gefunden haben, dankbar sein und gehorsam ihrer Arbeiten nachgehen sollten, ohne sich zu beklagen. Er mag die Vereine, die Gewerkschaften und Versammlungen nicht, die von manchen seiner Freunde aber auch von seiner Frau Hacer besucht werden. Hacer ist durch die schwierige Beziehung zu ihrem Mann motiviert, sich für die Emanzipation der Frau zu engagieren. Sie verändert sich äußerlich und geistig. Ihr ältester Sohn ist einsam und wandert ziellos durch die Straßen der Stadt, während die Tochter zuhause bleiben muss, damit sie sich um ihren neugeborenen Bruder kümmern kann. Wie das Lied im Abspann suggeriert, liegt das Schicksal der Arbeiterfamilie in ihren eigenen Händen: “Wenn wir nicht aufstehen, endet unser Elend nicht!”

Korhan Yurtsever wurde in Istanbul geboren und arbeitete schon im jungen Jahren im Schnittstudio seines Onkels. Sein erster Film „Fıratın Cinleri“ aus dem Jahr 1978 hat mehrere Preise, u.a. den Jurypreis des San Remo Film Festivals erhalten. Nach einer persönlichen Einladung des damaligen Berliner Bürgermeisters drehte er “Kara Kafa” in Berlin, im Ruhrgebiet und in der Türkei. Nach dem Verbot seines Films lebte er für einige Jahre in Deutschland und kehrte später in die Türkei zurück, wo er weiter als Regisseur für Werbefilme tätig war.

Regie: Korhan Yurtsever
Kamera: George Becker
Mit Savaş Yurttaş, Betül Aşçıoglu, Cüneyt Kaymak, Özlem Güler
Türkei, 1979, 76 min., Original mit englischen Untertiteln

Mit freundlicher Unterstützung der Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit des Landes Berlin (LEZ)