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bi'bakino #34

LA DEUTSCHE VITA

Donnerstag, 05.10. um 20 Uhr

Die Sehnsucht nach dem Authentischen

Die Sehnsucht nach Authentizität hat sich zu einer selbstverständlichen Erwartungshaltung entwickelt. Nicht nur im Urlaub, auch beim Italiener um die Ecke möchte der Gast sich so fühlen wie Rom oder Mailand. Diese Erwartung wird von gastronomischen Einrichtungen, die sich einer Landesküche widmen, gerne erfüllt. Griechische Restaurants werden nach einer Ästhetik ausgestattet, die griechische Mythen mit den Impressionen des letzten Kreta-Urlaubs vereint. Italienische Pizzerien begrüßen ihre Besucher*innen mit romantisch-rustikalem Kitsch und einem herzlichen “Buon giorno!”. Viele dieser mediterranen Restaurants werden jedoch nicht unbedingt von Griech*innen oder Italiener*innen geführt, sondern stattdessen von ihren Nachbarn – Türk*innen oder Albaner*innen – die durch die Verkörperung von Stereotypen den Erwartungen der deutschen Gäste gerecht werden wollen.

Die Dokumentation La Deutsche Vita zeigt Berlin aus der Sicht von Alessandro Cassigoli, einem Italienischen Immigranten. Nach sieben Jahren in der deutschen Hauptstadt macht es sich Cassigoli gemeinsam mit Tania Masi aus Florenz und dem Brasilianer William Chicarelli zur Aufgabe, die italienische Community in Berlin zu erkunden. Mitten in einem der “härtesten Winter, die Berlin je gesehen hat” leiden die Italiener*innen nicht nur unter Kälte, Schnee und schlechtem Kaffee – der Protagonist und Schauspieler Max hat auch immer wieder damit zu kämpfen, dass er bei Castings nur die Rolle des Russen oder Polen zugewiesen bekommt. Für einen Italiener sehe er nicht italienisch genug aus. Der Film spielt humorvoll mit Klischees und Vorurteilen und zeigt so die Absurditäten “authentischer” Illusion.

Im Anschluss an den Film laden wir die Künstler*innen Alessandro Cassigoli, Tania Masi zu einer Diskussion mit dem Publikum ein.

La Deutsche Vita
Regie: Alessandro Cassigoli & Tania Masi
DE 2013, 61 Min.
OmeU
Trailer