Reihen
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Beyond the War

Syrische Gesellschaft und Politik vor und nach 2011

Von Amer Katbeh

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BITTER THINGS

Narrative und Erinnerungen transnationaler Familien

Kuratiert von Malve Lippmann und Can Sungu

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BITTER THINGS

BITTER THINGS – Narrative und Erinnerungen transnationaler Familien ist ein forschungsbasiertes Ausstellungsprojekt von bi’bak, das die Auswirkungen von Arbeitsmigration auf Mutterschaft und Familie aus der Perspektive von Arbeitsmigrantinnen und ihren Kindern untersucht. Ausgehend von Erfahrungen transnationaler Familien aus Vergangenheit und Gegenwart bringt die Installation Erzählungen mit Objekten zusammen, die in den Familien eine zentrale Rolle spielen.

Arbeitsmigration führt weltweit zu neuen Familienmodellen, die häufig transnational organisiert sind. Der familiäre Kontakt wird dabei trotz geografischer Trennung aufrechterhalten. In der Zeit der Anwerbeabkommen in den 1960er Jahren waren viele Eltern gezwungen, ihre Kinder bei Verwandten zurückzulassen. Die Arbeitszeiten waren so vereinnahmend, dass die Kinderbetreuung nicht zu bewältigen war. Heute sind es im europäischen Raum vorwiegend Arbeitsmigrant*innen aus Osteuropa, die ihre Familien verlassen, um in wirtschaftlich besser gestellten Ländern ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Doch wie definiert sich das Verhältnis von Eltern und Kindern neu, wenn Geschenke und materielle Unterstützung an die Stelle von gemeinsamem Erleben treten? Wenn körperliche Nähe hinter Chat und Videotelefonie zurücktreten muss? Wie ergeht es dabei den Kindern und wie ihren Eltern? BITTER THINGS versammelt Positionen zum Thema von den 1960er Jahren bis heute.

Parallel zur Ausstellung hat bi’bak ein Begleitprogramm aus Filmvorführungen, Vorträgen und Diskussionen kuratiert. Zum Thema ist darüber hinaus eine Publikation mit wissenschaftlichen und literarischen Beiträgen, Interviews, Liedern und Fotos erschienen, die das Thema interdisziplinär beleuchtet. Die Publikation kann hier bestellt werden. Ein Booklet mit ausgewählten Texten auf Deutsch und Ausstellungsansichten ist hier verfügbar.

Ausstellungen:

15. Mai bis 01. Juli 2018 DEPO, Istanbul
14. September bis 12. Oktober 2018 Archive Kabinett, Berlin
17. November bis 15. Dezember 2018 bunker k101, Köln
03. Mai bis 27. Juni 2019 Oberhaus (kitev), Oberhausen, im Rahmen von Ruhr Ding – Territorien, Urbane Künste Ruhr 2019

Konzept und Künstlerische Leitung: Malve Lippmann, Can Sungu
Ausstellungsdesign: Malve Lippmann
Redaktion, Forschung: Maike Suhr
Projektassistenz: Zeynep Dişbudak, Esra Akkaya, Duygu Atçeken, Ali Can Yildirim
Presse-und Öffentlichkeitsarbeit: Selim Özadar
Graphikdesign: Jan Grygoriew

In Kooperation mit Archive Berlin, Depo Istanbul und DOMiD – Museum und Dokumentationszentrum für die Migration in Deutschland, Köln.

Gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa im Rahmen der Spartenoffenen Förderung und mit freundlicher Unterstützung vom Goethe Institut Istanbul. Das Begleitprogramm im bi’bak ist gefördert durch die Berliner Landeszentrale politische Bildung.

Zu den Veranstaltungen

Skin

#95

Regie Afraa Batous Syrien, Libanon 2015

82 min., OmeU

Im Anschluss Gespräch mit Lisa Jöris und Afraa Batous

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KuirFest Berlin 2019

Queer Feminist Rebels

Kuratiert von Pembe Hayat KuirFest / Pink Life QueerFest, Esma Akyel und Esra Özban

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FREUNDSCHAFT AUF ZEIT

Vertragsarbeit und Internationalismus in der DDR

Kuratiert von Tobias Hering und Sun-ju Choi

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Regie Furqan Faridi, Ashfaque EJ, Shaheen Ahmed und Vishu Sejwal Indien 2019

43, OmeU

Im Anschluss Gespräch mit Shivramkrishna Patil und Susanne Gupta

Regie Aylin Kuryel und Fırat Yücel Türkei 2019

57 min, OmeU

Im Anschluss Gespräch mit Aylin Kuryel und Fırat Yücel

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Kuratiert von Popo Fan, Tobias Hering, Malve Lippmann, Branka Pavlovic, Can Sungu, Sarnt Utamachote und Florian Wüst

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Filme

Regie Teodora Ana Mihai Rumänien, Belgien 2014

88 min., OmeU

Im Anschluss Gespräch mit Janka Vogel

WAITING FOR AUGUST

Georgiana wird bald 15 und kümmert sich alleine um ihre sechs jüngeren Geschwister. Die sieben Kinder leben in Rumänien, während ihre Mutter in Italien arbeitet. Die älteste Schwester kocht, sie räumt auf, kümmert sich und versucht nebenbei Zeit zu finden, um selbst für die Schule zu lernen. Im August soll die Mutter endlich zurückkommen.

Janka Vogel, geboren 1988, hat in Kassel, Marburg und Sibiu / Hermannstadt (Rumänien) Erziehungswissenschaft und evangelische Theologie studiert und im Rahmen ihrer Bachelorarbeit zu transnationalen Familien in Rumänien geforscht. Im Master studierte sie Südosteuropastudien mit Schwerpunkt Rumänien / Moldau. In Berlin forscht sie zur rumänischen Diaspora und arbeitet als Sozialarbeiterin mit rumänischen Migrant*innen in Berlin.

Regie Renārs Vimba Lettland 2016

105 min., OmeU

Im Anschluss Gespräch mit Renārs Vimba

MELLOW MUD

Niemand darf vom Tod ihrer Großmutter erfahren. Um der staatlichen Fürsorge zu entgehen, vergraben die 17-jährige Raya und ihr kleiner Bruder die Frau, bei der sie aufgewachsen sind, im Garten der heimischen Apfelplantage. Raya organisiert alleine das tägliche Überleben für sich und ihren Bruder und setzt alle Hoffnung in die nach England ausgewanderte Mutter.

Renārs Vimba studierte Kinematographie an der lettischen Kulturakademie und bei Boris Frumin an der Baltischen Film- und Medienschule in Tallinn wo er 2011 mit dem MA Filmregie abschloss. Sein Film Mellow Mud erhielt den Lettischen Nationalfilmpreis Lielais Kristaps für den besten Spielfilm. Vimba arbeitet gerade an seinem zweiten Spielfilm Sanctus.

KLÄNGE DES GURBET*

Die türkischen Arbeiter*innen in Deutschland drückten ihre Anliegen und Probleme durch Musik aus. Einige nahmen ihre Saz und sangen von ihren Erlebnissen, andere schrieben Briefe an ihre Lieben und wieder andere entwickelten musikalisch politische Visionen für die Zukunft. Bei dieser Veranstaltung geht es um die Betrachtungen der “Gastarbeitergeneration” innerhalb und außerhalb der Türkei in den 1950er und frühen 60er Jahren. 

* Türkisch für „fremdes Land”. Gurbet bezeichnet nicht nur einen geografischen Ort, sondern auch die emotionale Distanz von Zuhause. Das Wort stammt aus dem arabischen und bedeutet „Westen” sowie „Sonnenuntergang”. Das Verb garaba hat seine Wurzel im selben Wort und bedeutet „entfernt werden / fremd sein.”

OmeU

Im Anschluss Gespräch mit Hilal Alkan Zeybek

MOTHERING FROM AFAR

Filme:

Loin du 16ème | Far from the 16th – Daniela Thomas (France, 2006, 5 min.)
Calea Dunării | The Course of the Danube – Sabin Dorohoi (Romania, 2013, 13 min.)
媽媽離家上班去 | Homecoming (Hong Kong, 2009, 30 min.)
Hasta Bakıcı | Abigail – Soner Sert (Turkey, 2017, 17 min.)
Kot Farkı | Ground Level – Ayris Alptekin (Turkey, 2016, 11 min.)

Das Kurzfilmprogramm nimmt die Lebens- und Arbeitsbedingungen von migrantischen Arbeiter*innen in ganz unterschiedlichen Ländern in den Blick und thematisiert die schwierigen Umstände, unter denen Frauen versuchen, eine Zukunftsperspektive für ihre im Heimatland zurückgelassenen Kinder zu erringen. Loin du 16ème/ Weit vom 16. Bezirk zeigt eine spanische Migrantin in Paris, die ihr eigenes Baby in aller Frühe in einer Tagespflege abgibt, um in ihrem Job das Baby reicher Leute zu betreuen. Ein zehnjähriger Junge folgt dem Calea Dunării / Der Lauf der Donau von Rumänien bis nach Wien, um seine Eltern dort zu finden. Die Kinderfrau Charlie bereitet nach jahrelanger Arbeit in Hongkong die langersehnte Homecoming/ Heimkehr zu ihrem Sohn vor, aber plötzlich treten unerwartete Probleme auf. Hasta Bakıcı / Krankenpflegerin und Kot Farkı / Höhenunterschied thematisieren den Arbeitsalltag von Altenpflegerinnen in Istanbul.

Hilal Alkan Zeybek studierte Soziologie (MA) an der Boğaziçi Universität in Istanbul und promovierte in Politikwissenschaften an der Open University in Großbritannien. Seit 2016 lebt sie in Berlin und arbeitet am Leibniz Zentrum Moderner Orient an ihrem Projekt The Dyad of Care and Discipline: Aiding Syrian Migrants in Turkey and Germany. Gleichzeitig lehrt sie an der Alice Salomon Hochschule. Ihr Forschungsinteresse gilt neben Migration und Sozialfürsorge geschlechtsspezifischen Raumbildungen, Kriegserfahrungen von Frauen und Pflegeethik.

Regie Athanasios Karanikolas Griechenland 2014

103 min., OmeU

Im Anschluss Gespräch mit Athanasios Karanikolas

STO SPITI

Nadja lebt seit vielen Jahren als Haushälterin bei einer Familie wohlhabenden Paar der griechischen Oberschicht. Mit dieser Arbeit finanziert sie die Ausbildung und den sozialen Aufstieg ihrer eigenen Tochter. Sie darf sich als Teil der Familie fühlen. Als man bei Nadja eine schwere Krankheit diagnostiziert und der Hausherr im Zuge der Wirtschaftskrise in finanzielle Schwierigkeiten gerät, gerät das Gefüge ins Wanken.

Athanasios Karanikolas studierte Fotografie an der New School for Social Research und an der Parsons School of Design in New York. Anschließend studierte er Video- und Medienkunst an der Kunstakademie Düsseldorf sowie Filmregie an der Hochschule für Film und Fernsehen “Konrad Wolf” in Potsdam. 2007 drehte er seinen ersten Spielfilm Elli Makra, 42277 Wuppertal. Neben seiner Arbeit als Filmemacher lehrt Karanikolas an verschiedenen Universitäten und führt Theaterregie.

Stimmen zerrissener Familien

DIE LEIDEN DES GURBET*

Arbeiter*innen, die in den 1960er und 1970er Jahren ihre Familien in der Türkei zurückließen, um dem Ruf nach Deutschland zu folgen, fanden oft über Lieder zusammen. Diese Lieder zeugen von den Geschichten einer Generation, die ihr Leben im „Dazwischen” verbrachte, in einem Leben zwischen dem neuen Land und einem langsam immer fremder werdenden Zuhause und von Familien, die getrennt voneinander leben.

* Türkisch für „fremdes Land”. Gurbet bezeichnet nicht nur einen geografischen Ort, sondern auch die emotionale Distanz von Zuhause. Das Wort stammt aus dem arabischen und bedeutet „Westen” sowie „Sonnenuntergang”. Das Verb garaba hat seine Wurzel im selben Wort und bedeutet „entfernt werden / fremd sein.”

Regie Baby Ruth Villarama Hong Kong, Philippines 2016

95 min., OmeU

SUNDAY BEAUTY QUEEN

Ohne die philippinischen Hausangestellten würde der Alltag vieler Familien in Hongkong nicht funktionieren. Doch die Lebensbedingungen der Frauen sind prekär: Arbeit rund um die Uhr, schlechte Behandlung und die Willkür der Arbeitgeber*innen sind gang und gäbe. An ihren freien Sonntagen organisieren die Frauen Schönheitswettbewerbe. Die Treffen bieten nicht nur Spaß, sondern dienen auch der Vernetzung. Sunday Beauty Queen zeigt überraschende Strategien der Selbstermächtigung angesichts der Zumutungen moderner Sklaverei.