Über

SİNEMA TRANSTOPIA

Ab September 2020 startet bi'bak ein Kino-Experiment im Haus der Statistik.

SİNEMA TRANSTOPIA untersucht Kino als sozialen Diskursraum, als Ort des Austauschs und der Solidarität. SİNEMA TRANSTOPIA bringt diverse soziale Communities zusammen, verknüpft geographisch entfernte und nahe Orte, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und dezentriert einen eurozentristischen Blick durch transnationale, (post-)migrantische und postkoloniale Perspektiven. SİNEMA TRANSTOPIA ist eine Transtopie, ein Ort, an dem “grenzüberschreitende Bindungen und Verbindungen zusammenlaufen, neu interpretiert werden und sich zu Alltagskontexten verdichten” (Erol Yıldız).  Im Rahmen der Pioniernutzung der stadtpolitischen Initiative Haus der Statistik schlägt das Kino-Experiment eine Brücke zwischen urbaner Alltagspraxis und Film als alternative, verschiedene soziale Perspektiven verbindende Kunstform.

 

bi'bakino

bi’bakino ist ein kuratiertes Filmprogramm, das transnationalen Narrativen, Migrations- und Mobilitätsdiskursen im Film nachspürt und rund um die Filme differenzierte Diskussion und Perspektivwechsel anregen will. Dabei legt das Programm einen Schwerpunkt auf Filme, die aus dem außereuropäischen Raum stammen oder in Berlin noch nicht oder nicht oft gezeigt wurden, sowie Archivausgrabungen und Wiederentdeckungen. Im Anschluss an die Filmvorführungen finden moderierte Gespräche mit Filmemacher*innen und Expert*innen statt.

Die Veranstaltungsreihen können im Archiv abgerufen werden.

Reihen
bis

Kuratiert von Popo Fan

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How Can We See (each other)?

Historisch verbanden die Hauptrouten der Seidenstraße China mit Zentral- und Westasien bis nach Nordafrika. Dieser Grenzen überschreitende Austausch ging über den wirtschaftlichen Warentransfer hinaus, transportierte und beeinflusste diese Lebensräume. Auch heute ist das Verhältnis zwischen den Regionen ein Beispiel für grenzüberschreitende kulturelle Austauschprozesse außerhalb Europas.

Die Filmreihe How Can We See (each other)? sucht jenseits von Eurozentrismus nach den (pop-)kulturellen, sozialen und politischen Verbindungen eines "Ost-Ost-Bezugs“ und wirft einen Blick auf die transkulturellen Beziehungen unter den Gebieten. Durch das Zusammenbringen von Filmemacher*innen aus verschiedenen Regionen hoffen wir, eine Form des transnationalen Dialogs zwischen Künstler*innen und Filmemacher*innen zu schaffen. Von Hongkong bis Kairo, von Urumchi bis Kobanê und von Peking bis zu einem kleinen Dorf in Marokko überschreiten die Filme auf performative Weise Geschlechtergrenzen und nationale Zugehörigkeiten. Durch "cultural drag", Re-enactments und andere transgressive Strategien eröffnen die Filme einen Raum, in dem kulturelle Identität auf neue Weise konzeptualisiert werden kann, jenseits der Frage nach möglichen Unterschieden und Gemeinsamkeiten. Das Programm trägt zu einem Verständnis von politischem Widerstand bei, der die Macht kultureller, nationaler, ethnischer und geschlechtsspezifischer Kategorien gleichermaßen reflektiert und ihre Auflösung imaginiert.

Community Partners:
Korientation
Wir für Hongkong

Special Thanks:
Kurdish Film Festival Berlin
Times Art Center
Videoart at Midnight
Michael Dreyer

Popo Fan,  geboren 1985, ist ein in Berlin lebender Filmemacher, Kurator und Autor aus der chinesischen Diaspora. Zu seinen Filmen gehören queere aktivistische Dokumentarfilme und sex-positive Kurzfilme. Seit mehr als einem Jahrzehnt organisiert er das Beijing Queer Film Festival und gründete das Queer University Video Training Camp in China. Im Jahr 2019 kuratierte er bei bi'bak die Filmreihe "More Than A Midnight Rainbow" über in China produzierte und chinesischsprachige queere Filme.

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Veranstaltungen

OmeU

Im Anschluss Gespräch mit Monira Al Qadiri

Körper, Identität, Performance: Filme von Tao Hui und Monira Al Qadiri

谈身体 Talk About Body
Tao Hui, China 2013, 4 Min.

德黑兰的黄昏 The Dusk of Tehran
Tao Hui, China 2014, 4 Min.

演技教程 The Acting Tutorial
Tao Hui, China 2015, 19 Min.

我们共同的形象 Joint Images
Tao Hui, China 2016, 15 Min.

Wa Waila (Oh Torment)
Monira Al Qadiri, Kuwait 2008, 10 Min.

Rumors of Affluence
Monira Al Qadiri, Kuwait 2012,​ 4 Min.

Abu Athiyya (Father of Pain)
Monira Al Qadiri, Kuwait 2013, 6 Min.

SOAP
Monira Al Qadiri, Kuwait 2014,​ 8 Min.

In der Videoarbeit Talk About Body sitzt Tao Hui, der einen Hijab trägt, in einem Schlafzimmer und spricht über seinen Körper. The Dusk of Tehran ist ein Reenactment einer Rede über die Liebe, die der Hongkonger Popstar Anita Mui bei ihrem letzten Konzert hielt: Hier wird sie zu einer Unterhaltung zwischen einer jungen iranischen Schauspielerin und einem Taxifahrer. The Acting Tutorial bringt Laiendarsteller*innen für eine Probe von zunehmend dramatischen Situationen zusammen. Joint Images zeigt eine Live-Synchronisation von zehn zufällig ausgewählten TV-Clips und wirft so Fragen zum Verhältnis von Massenmedien und Schauspiel auf. Wa Waila (Oh Torment) ist ein auf einem alten kuwaitischen Volkslied basierendes surreales Musikvideo, in dem die Künstlerin die Rolle des männlichen Frontsängers übernimmt. Rumors of Affluence adressiert die lange Geschichte von Korruption und Reichtum in Kuwait, indem die Spur von Gerüchten über den Börsencrash in den frühen 1980er Jahren bis hin zu neueren Skandalen verfolgt wird. Abu Athiyya ist ein Musikvideo, das auf einem Klagelied des südirakischen Sängers Yas Khodhor basiert. Auch hier spielt Al Qadiri die Rolle des Sängers, während sie gleichzeitig ein Messertanz-Ritual performt. SOAP stellt TV-Seifenopern den Wanderarbeiter*innen gegenüber, die die luxuriösen Villen reinigen, in denen die Hauptfiguren leben.

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Monira Al Qadiri ist eine in Berlin lebende und in Senegal geborene Künstlerin aus Kuwait. Sie schloss mit einem PhD in inter-media art an der Tokyo University of the Arts ab, wo sie zur Ästhetik der Traurigkeit in Poesie, Musik, Kunst und religiösen Praktiken im Nahen Osten forschte. In ihrer Arbeit untersucht sie Geschlechtsidentitäten, Petrokulturen, und das Vermächtnis von Korruption.

OmeU

Im Anschluss Gespräch mit Shohel Zahraei und Kamil Saldun

Familie, Grenze, Trennung: Filme von Liang Ying und Sholeh Zahraei & Kamil Saldun

九月二十八日·晴 A Sunny Day
Liang Ying, Fiction, Niederlande/Hong Kong 2016, 25 Min.

 妈妈的口供 I Have Nothing To Say
Liang Ying, Hong Kong/Taiwan 2017, 25 Min.

Granny's Garden
Sholeh Zahraei/Kamil Saldun, Zypern/Iran 2012, 5 Min.

Letters To Cyprus
Sholeh Zahraei/Kamil Saldun, Zypern 2014, 22 Min.

Celluloid Me
Sholeh Zahraei/Kamil Saldun, Zypern/Iran 2014, 3 Min.

The Olive Tree At The Border
Sholeh Zahraei/Kamil Saldun, Zypern 2014, 6 Min.

Dieses Kurzfilmprogramm beschäftigt sich mit Exil, Trennung und über Grenzen verstreute Familien. In A Sunny Day besucht eine junge Frau ihren Vater in seiner Wohnung in Hongkong. Es ist der 28. September 2014. Während sie versucht, mit ihm zu Mittag zu essen, formiert sich in der Stadt die Regenschirm-Bewegung. In I Have Nothing To Say trifft sich eine chinesische Mutter mit ihrer im Exil lebenden Tochter aus Hongkong. Ausgehend von seinen persönlichen Erfahrungen im Exil schildert Liang Ying auf subtile Weise das politische Dilemma von Taiwan, Hongkong und China. Granny's Garden zeigt einen jungen Mann, der sich kurz vor seinem Tod an den Garten seiner Großmutter erinnert. Letters To Cyprus basiert auf einer Brieffreundschaft, die eine Zypriotin – Kamil Salduns Mutter – während der türkischen Invasion 1974 unterhielt. Nach 42 Jahren des Wartens auf Frieden kehrt sie 2016 in das Haus zurück, das sie verlassen musste. Celluloid Me ist Ausdruck des Wunsches, eins zu werden mit Wasser, Natur und Zelluloid. The Olive Tree At The Border ist eine Reflexion über Zypern, Natur, Teilung, und einen Mann, der Grenzen überschreitet.

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Sholeh Zahraei wurde in Teheran geboren, wuchs in Berlin auf und studierte in Amsterdam und Zypern. Sholeh Zahraei hat mit Regisseuren wie Abbas Kiarostami, Jafar Panahi, Bahram Beyzaie und Derviş Zaim zusammengearbeitet. Im Jahr 2016 nahm sie als Autorin und Regisseurin an den Berlinale Talents teil. Seit 2011 hat sie zusammen mit Kamil Saldun mehrere experimentelle, fiktionale und dokumentarische Kurzfilme, Musikvideos und TV-Spots gedreht.

Kamil Saldun wurde in Famagusta (Zypern) geboren. Er schloss sein Studium an der Eastern Mediterranean University in Famagusta ab. Seit 2013 arbeitet Kamil als Film Editor. Sholeh und Kamil wurden ausgewählt, um an einer Filmemacherei teilzunehmen Workshop unter der Leitung von Abbas Kiarostami und sind Teil der Imago Mundi Luciano Benetton-Sammlung.

OmeU

Im Anschluss Gespräch mit Ming Wong

Migration und Queerness: Filme von Aykan Safoğlu and Ming Wong

Off-White Tulips
Aykan Safoğlu, Deutschland/Türkei, 2013, 24 Min.

Touching Feeling
Aykan Safoğlu, Deutschland, 2019, 12 Min.

Angst Essen
Ming Wong, Deutschland, 2008, 27 Min.

Biji Diva!
Ming Wong, Deutschland/Türkei, 2011, 33 Min.

Ausgangspunkt für Touching Feeling ist Aykan Safoğlus Freundschaft mit dem Fotografen Nihad Nino Pušija. Pušija hält seit Jahren die Welt um ihn herum mit seiner Kamera fest: das queere Leben in Kreuzberg, das Leben der Roma in Ex-Jugoslawien und in deutschen Geflüchtetenheimen, alltägliche Begebenheiten, aber auch Szenen der Flucht und Migration. Schicht um Schicht legt Safoğlu die Fotografien auf der schwarzen Leinwand frei. Off-White Tulips ist ein fiktiver Dialog mit James Baldwin und dessen Besuchen in Istanbul. Mithilfe alter Fotografien folgen wir ihm sowie Aykan Safoğlu und dessen Familie gleichermaßen durch die Stadt. Angst Essen ist eine Rekonstruktion des Films Angst essen Seele auf (1973) von Rainer Werner Fassbinder. Ming Wong spielt alle Rollen selbst, wechselt beständig zwischen Geschlechtern, Nationalitäten und Alter und spricht die Dialoge auf Deutsch, einer ihm unbekannten Sprache. Dabei reflektiert er Problematiken des ‘Außenseiters’ und des ‘Fremdseins’. Biji Diva! ist eine Hommage an die transsexuelle türkische Popsängerin Bülent Ersoy. Zusammen mit seiner Mutter May Wong gab Ming Wong 2011 ein Live-Konzert und schlüpfte in die Rolle der bekannten Popdiva.

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Ming Wong erkundet die Grauzonen aktueller Debatten wie etwa die Konstruktion von Geschlecht, Sprache und Identität. Wong lässt sich von Spielfilmen und Popkultur inspirieren und setzt bekannte Zitate und Tropen in einen neuen Kontext. Er verbindet östliche und westliche mythologische Ideale und reflektiert dabei oft seine eigene Erfahrunge, in Singapur aufgewachsen zu sein, in London zu studieren und jetzt in Berlin zu leben.

OmeU

Familie, Jugend, Traum: Filme von Halima Ouardiri und Ryuji Otsuka & Huang Ji

玲玲的花园 Lingling's Garden
Ryuji Otsuka/Huang Ji, China, 2009, 58 Min.  

Mokhtar
Halima Ouardiri, Kanada/Makokko, 2010, 16 Min.

Clebs 
Halima Ouardiri, Kanada, 2020, 18 Min

Lingling's Garden ist die Geschichte einer Schülerin namens Lingling, der immer zu spät kommt. Eines Sommers plant ihre Klasse, Bergsteigen zu gehen. Doch Lingling kann nur mitmachen, wenn sie ihr ständiges Zuspätsein überwinden kann. Eines Nachts sieht sie eine Werbung für ein Zauberkissen, aber leider ist es zu teuer. Also beschließt sie, ihr eigenes Kissen herzustellen. Mokhtar erzählt die Geschichte eines kleinen Jungen in einem abgelegenen marokkanischen Dorf. Eines Tages adoptiert er eine aus dem Nest gefallene Eule, obwohl Eulen als böses Omen gelten. Clebs zeigt den Alltag in einem Tierheim für streunende Hunde in Marokko. Für die vielen Tiere, die auf ihre Adoption warten, scheint die Zeit stillzustehen. Der Kurzfilm zieht daraus gesellschaftspolitische Parallelen unter der brennenden Sonne Nordafrikas.

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Im Anschluss Gespräch mit Mohammad Shawky Hassan

Kunst, Medien, Erinnerung: Filme von Isaac Chong Wai und Mohammad Shawky Hassan

The Silent Wall
Isaac Chong Wai, Hong Kong/Bosnia and Herzegovina/Deutschland, 2014, 11 Min.

Rehearsal of the Futures: Police Training Exercises
Isaac Chong Wai, Hong Kong 2018, 18 Min.

Balaghany Ayyoha Al Malek Al Sa'eed
Mohammad Shawky Hassan, Ägypten/Deutschland/USA 2011, 18 Min.

And on a Different Note
Mohammad Shawky Hassan, Ägypten/USA 2015, 23 Min.

Das Performance-Video The Silent Wall beobachtet in Sarajevo die Einschusslöcher aus dem Krieg und fragt nach dem Umgang mit Mahnmalen einer brutalen Geschichte. In Rehearsal of the Futures: Police Training Exercises verlangsamen Tänzerinnen und Tänzer die Gesten der militärischen Bereitschaftspolizei. Der Effekt ist schön, seltsam, aber gleichzeitig vertraut. Ein Jahr zuvor gefilmt nimmt der Film die Bilder der Proteste in Hongkong vorweg. Balaghany Ayyoha Al Malek Al Sa'eed ist eine Meditation über die komplexe Beziehung zweier Brüder, die Vorstellungen von Brüderlichkeit, Mentorschaft, Männlichkeit und Sexualität untersucht. And on a Different Note ist der Versuch, einen persönlichen Raum zu schaffen inmitten eines ununterbrochenen Soundtracks aus politischen Prime-Time-Talkshows mit ihren ununterscheidbaren, absurden und manchmal nicht zu entziffernden Geräuschen.

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Mohammad Shawky Hassan ist ein zwischen Kairo und Berlin lebender Filmemacher und Videokünstler. Sein Video And on a Different Note (2015) feierte am Berlinale Forum Expanded Premiere und ist Teil der ständigen Sammlung des Museum of Modern Art (MoMA) in New York. Gegenwärtig arbeitet er am abendfüllenden audiovisuellen Essay Shall I Compare You to a Summer's Day.

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Im Anschluss Gespräch mit Mukaddas Mijit

Marginalisierung und Minderheiten: Filme von Mukaddas Mijit und Leyla Toprak

Qetiq – Rock 'n Urumchi
Mukaddas Mijit, Deutschland 2013, 56 Min.

Red Handkerchief
Leyla Toprak, Türkei 2015, 16 Min.

Distant
Leyla Toprak, Türkei 2016, 16 Min.

Qetiq - Rock 'n Urumchinimmt Urumtschi, die Hauptstadt des Uigurischen Autonomen Gebiet Xinjiang in China, zum Ausgangspunkt. Sie ist die Heimat des Musikers Perhat, der wie viele andere nie daran dachte, die Stadt zu verlassen. Ein Film über Musik im Spannungsfeld zwischen Tradition und Moderne. Red Handkerchief dokumentiert die Geschichte von fünf jungen Kurd*innen, die jeweils zu 14 bis 25 Jahren Gefängnis verurteilt wurden. Ihren Gefängnisaufenthalt überstanden sie vor allem mithilfe des kurdischen Volkstanzes Govend, der ihnen „gebunden an einen Ort ein Gefühl der Ungebundenheit“ vermittelte. Distant beobachtet die Peschmerga-Kämpferinnen in Kobanê und befragt sie zu ihrem Kampf gegen ein patriachales System.

Leyla Toprak wurde 1980 in Istanbul geboren. Bis 2013 war sie Teil der Aktivitäten des modernen Tanzkollektiv Mesopotamia Dance in Istanbul. 2014 schloss sie ihr Studium am Performing Arts Department ab und studierte bis 2017 Cinema an der Istanbul Bilgi University. Sie schrieb, choreographierte und führte Regie bei mehreren Performances und Videoarbeiten.

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Mukaddas Mijit ist ein in Ürümchi geborener Musikethnologe, Filmemacher, Tänzer und Musikmanager. Sie promovierte 2015 in Musikethnologie an der Universität Paris Nanterre mit einer Arbeit über die "Inszenierung uigurischer Musik und Tanz". Neben der Veröffentlichung von Artikeln in Sammelbänden und Peer-Review-Zeitschriften, darunter Cahier d'ethnomusicologie, hat sie Dokumentarfilme über die uigurische Kultur gedreht.