Über

bi’bakino ist ein kuratiertes Filmprogramm, das transnationalen Narrativen, Migrations- und Mobilitätsdiskursen im Film nachspürt und rund um die Filme differenzierte Diskussion und Perspektivwechsel anregen will. Dabei legt das Programm einen Schwerpunkt auf Filme, die aus dem außereuropäischen Raum stammen oder in Berlin noch nicht oder nicht oft gezeigt wurden, sowie Archivausgrabungen und Wiederentdeckungen. Im Anschluss an die Filmvorführungen finden moderierte Gespräche mit Filmemacher*innen und Expert*innen statt.

Reihen
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SO DIKHEA? WAS SIEHST DU?

Filmische Perspektiven von Roma aus Europa

Kuratiert von Hamze Bytyçi

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SO DIKHEA? WAS SIEHST DU?

Was sind Klischees und was ist Realität, wenn es um Roma geht? Kommen Filme über Roma ohne Stereotype aus? Die Filmreihe SO DIKHEA? WAS SIEHST DU? beschäftigt sich mit den Folgen der Bildwelt und der Narrative, die jahrhundertelang über und nicht mit Roma geformt wurden. Seit tausend Jahren gehören Roma zu Europa und gestalten die Kulturen und Gesellschaften mit – und trotzdem werden sie noch immer als fremd und nicht dazugehörig wahrgenommen. Der Antiziganismus macht blind gegenüber einer vielfältigen, komplexen Realität: Hintergründe zu den Fluchtursachen für Roma aus den Balkanländern werden oft ausgeklammert; die Unverzichtbarkeit von Arbeitsmigration in einer zunehmend alternden Gesellschaft ignoriert. Um diese einseitige Sichtweise zu ändern, lädt die Filmreihe SO DIKHEA? WAS SIEHST DU? zum genauen Hinschauen und zur Diskussion ein.

RomaTrial e.V. ist eine transkulturelle Berliner Roma-Selbstorganisation, die einmal im Jahr das Roma-Filmfestival  AKE DIKHEA? veranstaltet, mit dem Ziel, die komplexen Problematiken des Antiziganismus ins öffentliche Bewusstsein zu rücken. AKE DIKHEA?, auf Romanes NA SIEHST DU?, zeigt Filme von und mit Rom*nja, Sinti*zzi und anderen Menschen mit Romno-Hintergrund. Es findet zwischen 5. und 9. Dezember 2019 zum dritten Mal in Berlin statt. 

Hamze Bytyçi lebt und arbeitet in Berlin. 2012 gründete er RomaTrial e.V., 2013 war er Gründungsmitglied der International Romani Film Commission. 2017 initiierte er das Roma-Filmfestival AKE DIKHEA?, das er seitdem leitet. 2018 war er Co-Kurator der 1. Roma-Biennale COME OUT NOW!

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FREUNDSCHAFT AUF ZEIT

Vertragsarbeit und Internationalismus in der DDR

Kuratiert von Tobias Hering und Sun-ju Choi

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KuirFest Berlin 2019

Queer Feminist Rebels

Kuratiert von Pembe Hayat KuirFest / Pink Life QueerFest, Esma Akyel und Esra Özban

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Veranstaltungen

OmeU

Im Anschluss Gespräch mit Jozef Miker

SO DIKHEA? KURZFILMPROGRAMM

Die Filmreihe SO DIKHEA? WAS SIEHST DU? startet mit einer Kurzfilmreise quer durch Europa: Der Spielfilm Mulo (Linda McDonald Cairns, UK 2018, 27 Min.) zeigt den Überlebenskampf von Roma aus Rumänien und Bulgarien, die unter der Londoner Stadtautobahn hausen. In dem Dokumentarfilm Searching for the Travelling People (Rich Matthews, UK 2017, 33 Min.) besucht der Schriftsteller Damian James Le Bas britische Roma und Travellers, die die erste BBC-Radiosendung über Roma im Jahr 1964 gestalteten. Jožka (Hamze Bytyçi, CZ/DE 2016, 26 Min.) ist ein Filmportrait des Roma-Aktivisten Jozef Miker, der für ein würdiges Gedenken an Roma-Holocaust-Opfer in Tschechien kämpft.

Jozef Miker kam 1965 in Sobrance in der Ostslowakei zur Welt. Er arbeitete über 30 Jahre im Bergbau, dann musste er die Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Er engagiert sich seit mehr als 20 Jahren gegen Rechtsextremismus und Rassismus. Er setzte sich maßgeblich für die Schließung einer Schweinemastanlage ein, die auf dem Gelände des ehemaligen Roma-KZ Lety stand.

Regie Allegra Schneider, Selamet Prizreni, Dörthe Boxberg, Jean-Philipp Baeck, Bernd Mathis, Deutschland 2018

45 min., OmeU

Im Anschluss Gespräch mit Allegra Schneider

MÖGLICHST FREIWILLIG

„Möglichst freiwillig” sollen sogenannte „Ausreisepflichtige” die Bundesrepublik Deutschland verlassen. Doch hinter diesen bürokratischen Begriffen verbergen sich oft dramatische persönliche Schicksäle, die mit Freiwilligkeit nichts zu tun haben. So wie Zijush, der mit 13 Jahren Deutschland verlassen musste. Aufgewachsen in Bremerhaven, muss er mit den Eltern und seiner Schwester „zurück” in die mazedonische Hauptstadt Skopje. Doch anstelle einer neuen Perspektive begegnen ihm dort meistens nur Hass und Ausgrenzung: Zijush wird angegriffen, weil er Rom ist. 

Der Dokumentarfilm folgt Zijush nach Skopje, begleitet durch seine Klassenlehrerin. Er offenbart die Absurdität der Abschiebepraxis im Falle von Kindern, deren Heimat Deutschland ist.

Allegra Schneider (angefragt), freie Fotojournalistin, Mitglied des Bremer Flüchtlingsrates,

Regie Ljupcho Temelkovski Mazedonien, Deutschland 2015

82 min., OmeU

Im Anschluss Gespräch mit Ljupcho Temelkovski

MARGINA

MARGINA ist ein intimer Einblick in das Leben von Menans Familie, die am Rande der europäischen Gesellschaft in Mazedonien lebt. Dieser Dokumentarfilm zieht eine scharfsinnige Verbindung zwischen einer individuellen Geschichte und den globalen Strukturen von Ungerechtigkeit, Ausbeutung und Rassismus; Gründe, die viele Menschen dazu zwingen, aus ihrer Heimat zu fliehen. Ohne Pathos zeigt der Film den Familienalltag, geprägt von sozialer Ausgrenzung, rassistischer Diskriminierung und wirtschaftlicher Not. Wie viele Roma in der Region ist Menans Familie gezwungen, ihren Lebensunterhalt damit zu bestreiten, Brennholz für die Nicht-Roma aus ihrer Nachbarschaft zu schneiden. Auf der Suche nach einem besseren Leben beschließt die Familie, sich auf den Weg nach Deutschland zu machen, um dort Asyl zu suchen und den Winter zu verbringen.

Ljupcho Temelkovski wurde 1979 in Mazedonien geboren. Er hat eine Ausbildung in Fotografie, Videokunst, Erzählfilm und generativer Kunst. Für sein soziales Engagement in seinen Projekten erhielt er ein Stipendium der Rosa-Luxemburg-Stiftung. Seit 2016 ist er auch als Sozialarbeiter tätig und unterstützt Roma-Familien aus Südosteuropa.

Regie Aaron Yeger Kanada 2011

99 min., OF

Im Anschluss Gespräch mit William Bila

A PEOPLE UNCOUNTED

Anlässlich des 75. Jahrestags der Befreiung von Auschwitz am 27. Januar zeigen wir den Dokumentarfilm A PEOPLE UNCOUNTED. In elf Ländern gedreht, portraitiert der Film dutzende Roma, darunter Holocaust-Überlebende, Historiker*innen und Aktivist*innen. Durch das Zusammenspiel von Poetik, Musik und den überwältigenden einzelnen Biografien erweckt A PEOPLE UNCOUNTED die Historie der Roma zum Leben. In Zeiten, in denen ethnische Intoleranz europaweit erneut entfacht, präsentiert der Dokumentarfilm die gängigen Narrative über Roma als Sinnbild für das Erbe des Rassismus und Genozids.

William Bila ist einer der Protagonisten im Film. Er war Vizepräsident des Roma Community Centre in Toronto, Mitglied des Roma Education Support Trust (UK), des Roma Education Fund (CH, SK, RO) und Präsident von La Voix des Rroms (F). Bila ist in den Vereinigten Staaten in einer slowakische Roma-Familie geboren und aufgewachsen. Er spricht Slowakisch, Französisch, Spanisch, Deutsch, Tschechisch und als Muttersprache Englisch.