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FROM ALMANYA WITH LOVE III: DER CHEF VON HAMBURG
Nach dem Anwerberabkommen 1961 zwischen der Türkei und Deutschland machte sich die erste Generation türkischer Arbeitsmigranten auf den Weg. Zunächst wurden sie als zeitlich befristete "Gäste" betrachtet, bald aber sah sich die westdeutsche Gesellschaft mit der Tatsache konfrontiert, dass "nicht nur Arbeiter, sondern Menschen" gekommen waren. Behçet Algan ist einer von ihnen. Als besonders beliebte Figur in der türkischen Migranten-Community, prägte er den diasporischen Charakter der türkischen Minderheit in Deutschland. Behçet Algan kam 1979 nach Deutschland und arbeitete als Friseur. Später wurde er Abgeordneter in Hamburg-Altona. Auf Grund seiner besonderes emphatischen und verständnisollen Art leistete er Pionierarbeit in der Entwicklung wechselseitiger Beziehungen. Behçet Algan spielte eine entscheidende Rolle bei der Gründung vieler politischer Organisationen der Zivilgesellschaft sowie zahlreicher Sport und Kulturvereine. Er wird seither Hamburg Muhtari - der Chef von Hamburg genannt. Nun haben Sie die Gelegenheit, den guten, alten, emphatischen "Chef von Hamburg" kennenzulernen. 
 
bi'bak arbeitet für diese Kurzfilmreihe mit 140journos, dem populärsten alternativen Medienkanal der Türkei, zusammen. Die Reihe FROM ALMANYA WITH LOVE umfasst sechs kurze Dokumentarfilme, die eine Vielzahl von Migrationsgeschichten aus der Türkei nach Deutschland in Vergangenheit und Gegenwart porträtieren. Durch eine vielfältige Auswahl von Hintergründen und Geschichten versucht die Reihe den oft dominanten Stereotypen andere Erzählweisen entgegenzusetzen.
 
Begleiten Sie uns zur Online-Premiere von HAMBURG MUHTARI/ DER CHEF VON HAMBURG". Die Crew sowie die Protagonisten werden anwesend sein!

Live Q&A um 21:00 unter: https://meet.jit.si/ArtinDarkTimes

Im Anschluss Gespräch mit Jelena Juresa, Galit Eilat und Erden Kosova

Who has the freedom to forget?

Die Videoarbeiten der Künstlerin Jelena Juresa setzen sich mit den psychologischen Auswirkungen politischer Gewalt auseinander. Staatlich gestützter Terror und seine Entmenschlichungspolitik, das kollektive Schweigen sowie Amnesie von Verbrechen gegen die Bevölkerung und die therapeutischen Mechanismen der Erinnerung gehören zu den Motiven ihrer künstlerischen Praxis. Ihre Filme Aphasia and Ubundu sind ein Aufruf, das kollektive Schweigen zu brechen und die blinden Flecken zu betrachten, die ein grundlegender Bestandteil unserer europäischen Identität geworden zu sein scheinen.

Jelena Juresa wurde in Novi Sad geboren und lebt derzeit in Gent. Sie hat sich an Hand von Fotografie, Video und Text intensiv mit Fragen der kulturellen Identität, des Geschlechts, der Politik der Erinnerung und des Vergessens beschäftigt. In ihrer Arbeit bezieht sie individuelle Geschichten und Identitätsfragen auf kollektive Prozesse des Vergessens und Erinnerns.

Galit Eilat ist freie Kuratorin und Schriftstellerin mit Sitz in Amsterdam. Sie entwickelte ihre Praxis durch eine Vielzahl von Plattformen und Rollen als Institutsleiterin und Herausgeberin von Büchern und einer Zeitschrift. Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte befassen sich mit dem Syndrom der Gegenwart und der Kunst unter Autoritarismus. Eilat ist Empfängerin des Keith Haring Fellowship in Art and Activism, Bard College, 2017-18 und seit 2018 Direktorin der Meduza Foundation.

Erden Kosova ist Kunstkritiker in Berlin und Istanbul. 2017 kuratierte er die Ausstellung „Syndromes of the Present”, die in Thessaloniki, Izmir, Amsterdam und Berlin gezeigt wurde. 2019 war er Mitorganisator der Young Curators Academy, die im Rahmen des 4. Berliner Herbstsalons im Maxim Gorki Theater stattfand. Er war 2019 ebenfalls an der Ausstellung des Sis Collective „In the Blink of A Bird” in der nGbK beteiligt. Kosova ist Redakteur des Istanbuler Online-Magazins red-thread.org.

Amaarae

In Nigeria und Ghana hat die musikzentrierte Alté-Bewegung in jüngster Zeit damit begonnen, die dominierende Afrobeats-/Afropop-/Afrofusion-Szene als Untergrund-/DIY-Pendant herauszufordern. Die ghanaisch-amerikanische Musikerin und Produzentin Amaarae gehört zu dieser aufregenden jungen Generation westafrikanischer Künstler, die ihre (queere) Identität durch Musik und Mode zum Ausdruck bringen, indem sie soziale Medien und visuelle Ästhetik nutzen, um mit ihrem Publikum in Kontakt zu treten – sei es innerhalb oder außerhalb ihrer sichtbaren Grenzen. Der Sound von Amaarae verbindet Neo-Soul und afrikanischen Pop und schafft eine alternative Version von zeitgenössischer afrikanischer Clubmusik mit Texten, die sich um alltägliche queere Intimität drehen.

Pamela Owusu-Brenyah ist Musikberaterin, Festivalorganisatorin und DJ, die sich für eine bessere Sichtbarkeit der zeitgenössischen afrikanischen Popkultur in Deutschland einsetzt. Mit ihrer Community-Plattform AFRO x POP bietet sie regelmäßig eine Musikfestbühne für aufstrebende Künstler der afrodeutschen Szene. Pamela, studierte Politikwissenschaftlerin, lebt in Berlin und hat familiäre Wurzeln in Ghana. Sie hat drei Jahre lang in Ghanas Hauptstadt Accra als DJ gearbeitet und pendelt seitdem zwischen den beiden musikalischen Welten hin und her.

Florian Sievers ist Journalist, Autor und Kurator, der alternative Geschichten aus afrikanischen Städten erzählt, in denen derzeit eine aufstrebende Mittelschicht – von Mode über Kunst bis hin zu vor allem Musik – hippe kulturelle Ausdrucksformen hervorbringt. Ursprünglich ausgebildeter Journalist für Politik und Wirtschaft, recherchiert Florian Sievers seine zukunftsweisenden Geschichten in Auseinandersetzung mit den lokalen urbanen Gemeinschaften. Ganz nebenbei ist Florian auch zum Hobbysammler alter Schallplatten aus Afrika geworden.

Im Anschluss Gespräch mit Jacqueline Rose, Galit Eilat und Erden Kosova

Women in Dark Times

Einer der Hauptschwerpunkte von Jacqueline Rose's Schreiben ist die historische Frauenfeindlichkeit und asymmetrische soziale Bedingungen, denen Frauen ausgesetzt sind. Ihr kürzlich erschienenes Buch Women in Dark Times konzentriert sich auf die tragischen und kreativen Biografien berühmter Frauen in der Geschichte und verbindet sie mit einem aktuellen Rahmen, in dem sie das Leben von drei Frauen, die Opfer von Ehrenmorden geworden sind, und die Werke von drei zeitgenössischen Künstler*innen, die sich heute mit dem globalen Zustand von Frauen befassen. Rose wird der Frage nachgehen, inwieweit sich unsere Gegenwart von früheren historischen Bedingungen unterscheidet.

Jacqueline Rose ist Co-Direktorin des Birkbeck Institute for the Humanities und der London Critical Theory Summer School. Sie ist international bekannt für ihre Schriften zu Feminismus, Psychoanalyse, Literatur sowie zur Politik und Ideologie Israels und Palästinas. Zu ihren Büchern gehören The Haunting of Sylvia Plath (1991), States of Fantasy (1996), The Question of Zion (2005), The Last Resistance (2007) und Proust Among the Nations - from Dreyfus to the Middle East (2012), der Roman Albertine (2001), Women in Dark Times (2014) und zuletzt Mothers – An Essay in Love and Cruelty. Ihr neues Buch On Violence and On Violence Against Women wird Anfang nächsten Jahres veröffentlicht.

Galit Eilat ist freie Kuratorin und Schriftstellerin mit Sitz in Amsterdam. Sie entwickelte ihre Praxis durch eine Vielzahl von Plattformen und Rollen als Institutsleiterin und Herausgeberin von Büchern und einer Zeitschrift. Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte befassen sich mit dem Syndrom der Gegenwart und der Kunst unter Autoritarismus. Eilat ist Empfängerin des Keith Haring Fellowship in Art and Activism, Bard College, 2017-18 und seit 2018 Direktorin der Meduza Foundation.

Erden Kosova ist Kunstkritiker in Berlin und Istanbul. 2017 kuratierte er die Ausstellung „Syndromes of the Present”, die in Thessaloniki, Izmir, Amsterdam und Berlin gezeigt wurde. 2019 war er Mitorganisator der Young Curators Academy, die im Rahmen des 4. Berliner Herbstsalons im Maxim Gorki Theater stattfand. Er war 2019 ebenfalls an der Ausstellung des Sis Collective „In the Blink of A Bird” in der nGbK beteiligt. Kosova ist Redakteur des Istanbuler Online-Magazins red-thread.org.

Im Anschluss Gespräch mit Quinsy Gario, Galit Eilat und Erden Kosova

Disrupting the Dutch Cultural Archive

Quinsy Gario ist der Künstler hinter der Kampagne Zwarte Piet Is Racisme (2011–2012) und der Performance Action Image (2013-2014) zur Genehmigung der Amsterdamer Sinterklaas-Parade, die bis zum niederländischen Obersten Gerichtshof ging. Die Arbeiten konfrontierten die öffentliche Wahrnehmung der rassistischen Figur und Praxis des Zwarte Piet (Schwarzen Peters), die aufgrund struktureller und institutioneller Unterstützung auf allen Ebenen in den Niederlanden bis heute überlebte. In seinem Vortrag skizziert Gario die Folgen der Kampagne und erläutert die Besonderheiten des historischen Eskapismus in den heutigen Niederlanden.

Quinsy Gario ist bildender Künstler und Performancekünstler aus Curaçao und St. Maarten, zwei Inseln in der Karibik, denen die bis heute andauernde niederländische Besatzung gemeinsam ist. Er ist Absolvent der Royal Academy of Art Den Haag, BAK Fellow 2017/2018, Vorstandsmitglied von De Appel, Mitglied des Künstlerkollektivs Family Connection und war wiederholt Teilnehmer der Konferenzreihe Black Europe Body Politics. Seine jüngsten Schriften wurden in dem Buch Roet in het Eten (Spanner in the Works) gesammelt.

Galit Eilat ist freie Kuratorin und Schriftstellerin mit Sitz in Amsterdam. Sie entwickelte ihre Praxis durch eine Vielzahl von Plattformen und Rollen als Institutsleiterin und Herausgeberin von Büchern und einer Zeitschrift. Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte befassen sich mit dem Syndrom der Gegenwart und der Kunst unter Autoritarismus. Eilat ist Empfängerin des Keith Haring Fellowship in Art and Activism, Bard College, 2017-18 und seit 2018 Direktorin der Meduza Foundation.

Erden Kosova ist Kunstkritiker in Berlin und Istanbul. 2017 kuratierte er die Ausstellung „Syndromes of the Present”, die in Thessaloniki, Izmir, Amsterdam und Berlin gezeigt wurde. 2019 war er Mitorganisator der Young Curators Academy, die im Rahmen des 4. Berliner Herbstsalons im Maxim Gorki Theater stattfand. Er war 2019 ebenfalls an der Ausstellung des Sis Collective „In the Blink of A Bird” in der nGbK beteiligt. Kosova ist Redakteur des Istanbuler Online-Magazins red-thread.org.

Aktuell
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Kooperationspartner 140journos

Von Çağdaş Erdoğan

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Almanya'dan Sevgiler | From Almanya with Love

Für die Kurzfilmreihe Almanya'dan Sevgiler | From Almanya with Love kooperiert bi’bak mit dem bekanntesten „Counter-Media“-Kanal aus der Türkei, 140journos. Die Serie zeigt sechs Minidokumentarfilme unter der Regie von Çağdaş Erdoğan, die eine Vielzahl von Migrationsgeschichten aus der Türkei nach Deutschland in Vergangenheit und Gegenwart portraitieren.

Turbulente Politik spielte im Laufe des letzten Jahrhunderts eine wichtige Rolle bei der Gestaltung der transnationalen Migrationsbewegungen zwischen der Türkei und Deutschland. Die sogenannten Gastarbeiter*innen, die nach 1961 in die Bundesrepublik kamen, um die Nachkriegsökonomie aufzubauen, begründeten die bislang größte ethnische Minderheit in Deutschland. Die gewalttätigen ideologischen Auseinandersetzungen der 1970er Jahre oder die repressive Politik der 1990er Jahren in der Türkei führten dazu, dass zahlreiche, meist linksgerichtete und kurdische Asylsuchende nach Deutschland kamen. Heute lässt sich eine neue Gruppe von Migrant*innen aus der Türkei hauptsächlich in Berlin nieder. Diese Journalist*innen, Künstler*innen, Akademiker*innen und jungen Fachkräfte entgehen einer andauernden Verfolgung und suchen nach einer besseren Zukunft. In seinen Filmen untersucht Çağdaş Erdoğan eine vielfältige Auswahl von Hintergründen und Geschichten der Migration aus der Türkei nach Deutschland und bringt Gegenerzählungen gegen dominante Stereotype ans Licht.

Çağdaş Erdoğan, 1992 in der Osttürkei geboren, ist Fotograf und Künstler. Als Fotojournalist konzentriert sich seine Arbeit auf Minderheiten im Nahen Osten. Seine Arbeiten wurden in weltweit führenden Zeitungen und Magazinen wie der New York Times, Stern, dem British Journal of Photography, der Times, dem Guardian, dem Iz Magazine und vielen weiteren veröffentlicht. Er wurde vom British Journal of Photography unter den "Ones to Watch in 2017" gelistet. Sein erstes Fotobuch mit dem Titel Control wurde bei Akina Books veröffentlicht. Er arbeitet mit dem Videokollektiv 140journos zusammen und ist seit Oktober 2019 Stipendiat bei bi’bak.

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Von Sebastian Reier aka Booty Carrell, Pamela Owusu-Brenyah aka DJ Pam Bam, Florian Sievers, Oded Erez, Kornelia Binicewicz, Mountains of Tongues, Rahman Məmmədli, Ekaterina Borisova, Yuriy Gurzhy und Can Sungu

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OUTERNATIONALE: Stars from Outer Space

2020 widmet sich bi’bakaudio mit dem Projekt OUTERNATIONALE: Stars from Outer Space dem Konzept der sogenannten Outernational Music, einer Gegenposition zur Weltmusik bzw. World Music. Während Weltmusik dazu tendiert, Musik, die außerhalb der westlichen Welt produziert wird, zu exotisieren oder sie für den westlichen Geschmack zu zähmen, begreift Outernational Music die Unterscheidung zwischen westlicher Musik und Weltmusik selbst als eine Verlängerung des kolonialen Blicks. Im Gegensatz dazu wendet sich das Konzept Outernational Music den Klangproduktionen zu, die fernab des westlichen Musikmarktes in grenzüberschreitenden Geographien rezipiert und gefeiert wird. Outernational Music ist weder Mainstream noch Underground, sie ist vielsprachig und durch diverse Musiktraditionen und Kulturen beeinflusst. Die Reihe OUTERNATIONALE stellt im Gespräch mit Expert*innen ausgewählte Outernational Stars und deren künstlerisches Schaffen und Biographien vor. Jenseits kultureller oder sprachlicher Barrieren wagen wir eine musikologische Kollektivrecherche.

Ekaterina Borisova ist Musikjournalistin in Sankt Petersburg, Russland. Seit Mitte der 80er Jahre schreibt sie Artikel über Rockmusik für russische Zeitschriften und Zeitungen. Gleichzeitig ist sie ein großer Fan von und hat sich ein tiefes Wissen über die russische Underground-Rock-Szene angeeignet. Sie ist auch Autorin mehrerer Bücher - darunter zwei Bücher über Yanka Dyagileva, die 1998 - 2005 herausgegeben und wieder aufgelegt wurden.

Florian Sievers ist Journalist, Autor und Kurator, der alternative Geschichten aus afrikanischen Städten erzählt, in denen derzeit eine aufstrebende Mittelschicht – von Mode über Kunst bis hin zu vor allem Musik – hippe kulturelle Ausdrucksformen hervorbringt. Ursprünglich ausgebildeter Journalist für Politik und Wirtschaft, recherchiert Florian Sievers seine zukunftsweisenden Geschichten in Auseinandersetzung mit den lokalen urbanen Gemeinschaften. Ganz nebenbei ist Florian auch zum Hobbysammler alter Schallplatten aus Afrika geworden.

Kornelia Binicewicz ist eine polnische Schallplattensammlerin und Kuratorin sowie DJ und Gründerin von "Ladies on Records", einem facettenreichen Projekt, das sich auf das musikalische Erbe von Frauen auf der ganzen Welt konzentriert und weibliche Musik der letzten Jahrzehnte präsentiert. Ihre Leidenschaft für die Musik weiblicher Akteure brachte sie in die Türkei, wo sie begann, die unentdeckte Welt der türkischen Frauenmusikszene zu erkunden. Im Laufe von fünf Jahren, in denen sie Schallplatten ausgrub und vergessene oder nicht anerkannte Sängerinnen in der Türkei kennenlernte, gelang es ihr auch, in die Archive alter türkischer Labels einzutauchen. Sie kuratierte die Sammelwerke "Turkish Ladies. Female Singers from Turkey 1973 - 1988" (Epic Istanbul) und "Uzelli Psychedelic Anadolu" (Uzelli), die beide auf Vinyl erschienen. Kornelia arbeitet derzeit an einem besonderen Projekt, das Sängerinnen aus der Türkei aus einem der Archive der türkischen Labels gewidmet ist.

Mountains of Tongues (Ben Wheeler und Stefan Williamson-Fa) hat die letzten sieben Jahre damit verbracht, die Kaukasusregion zu bereisen, Aufnahmen zu machen und Beispiele weniger bekannter musikalischer Traditionen zu sammeln. Mit Hilfe von Ausschnitten aus ihren Feldaufnahmen, kombiniert mit Stücken aus einem persönlichen Archiv Langspielplatten, Tonbändern, CDs und VHS-Aufnahmen aus der ganzen Region, bieten ihre Live-Shows einen einzigartigen Einblick in die Klanglandschaften des Kaukasus. Ob Lo-Fi-Bootlegs aserbaidschanischer Gitarrist*innen, die Gesangsgymnastik der gurianischen Polyphonie, schmetternde jesidische Holzbläser bei einer Verlobungsparty, Auto-Tune dagestanischer Techno, kreisende tschetschenische Sufi-Rituale oder Vintage-Synthesizer von Yamaha, die Lieder in isolierten Sprachen begleiten - Mountains of Tongues präsentiert Musik an der Schnittstelle zwischen dem Modernen / Traditionellen, dem Partizipatorischen / Präsentativen und dem Heiligen / Säkularen.

Oded Erez (Fachbereich Musik, Bar-Ilan Universität) ist Dozent für populäre Musik und Filmmusik und arbeitet an der Schnittstelle von historischer Musikwissenschaft, Musikethnologie und Kulturwissenschaften. Seine Arbeit konzentriert sich auf die Beziehung zwischen Politik und Ästhetik, mit einem Schwerpunkt auf Musik in Israel und im Mittelmeerraum. Gegenwärtig arbeitet er an der Fertigstellung eines Buchmanuskripts über griechische Musik und ethnische Klassenpolitik in Israel.

Pamela Owusu-Brenyah ist Musikberaterin, Festivalorganisatorin und DJ, die sich für eine bessere Sichtbarkeit der zeitgenössischen afrikanischen Popkultur in Deutschland einsetzt. Mit ihrer Community-Plattform AFRO x POP bietet sie regelmäßig eine Musikfestbühne für aufstrebende Künstler der afrodeutschen Szene. Pamela, studierte Politikwissenschaftlerin, lebt in Berlin und hat familiäre Wurzeln in Ghana. Sie hat drei Jahre lang in Ghanas Hauptstadt Accra als DJ gearbeitet und pendelt seitdem zwischen den beiden musikalischen Welten hin und her.

Rəhman Məmmədli wurde 1961 im Bezirk Füzüli von Qarabağ geboren und wuchs umgeben von der Musik dieser Region auf. Durch seine Verbundenheit mit der traditionellen Mugham- und Aşık-Musik ist es ihm gelungen, diese Genres durch neue und eigenständige Spieltechniken auf die E-Gitarre zu übertragen. Seine Fähigkeit, die Stimmen der klassischen muğam xanənde Sänger nachzuahmen, führte dazu, dass er als der Mann mit "oxuyan barmaqlar" (singenden Fingern) bekannt wurde. Məmmədli inspiriert weiterhin neue Generationen von Gitarrist*innen, die in Aserbaidschan eine einzigartige Gitarrensubkultur und einen einzigartigen Gitarrenstil entwickeln.

Booty Carrell ist der DJ-Name des Vinyl-Liebhabers, Golden Pudel Resident- und outernationalen DJs Sebastian Reier. Carrell forscht in den Tiefen des Vinyl-Universums und taucht mit Vorliebe in die zweite Welle der musikalischen Globalisierung ein.

Yuriy Gurzhy wurde in der Ukraine geboren und lebt in Berlin. Er ist Musiker, Songwriter, DJ und Produzent und bekannt für seine Arbeit mit RotFront, Shtetl Superstars und The Disorientalists sowie für seine Partyreihen Russendisko, Born in UA und Disko Kosmopolit.

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Kuratiert von Galit Eilat und Erden Kosova

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ART IN DARK TIMES

Die Lähmung der Weltgesellschaften in der gegenwärtigen Pandemie hat die Definition des Begriffs der "Krise" unumkehrbar verändert und das Gefühl tiefgehender tektonischer Veränderungen in Bezug auf die innere Strukturierung unserer heutigen Gesellschaften und die Zerstörung der Natur im Kapitalismus verstärkt. 
Doch der Appell an den Begriff des "Krisen"-Jahrzehnts ist bereits mit den nachfolgenden Erschütterungen der politischen Sphäre ausgereizt worden: die Turbulenzen der staatlichen Souveränität, die Auflösung grundlegender Prämissen der Säkularisierung durch die Hände neuer und traditioneller ideologischer Bewegungen, das Aufkommen des Geschichtsrevisionismus, der vergangene Verbrechen auslöscht, um neue zu ermöglichen, der zunehmende Anklang von Frauenfeindlichkeit, Mehrheitspolitik und Autoritarismus, die katastrophalen Folgen des Hyperkonsums und andererseits das verschwiegene Wiederaufleben der menschlichen Sklaverei.
Die Vortragsreihe ART IN DARK TIMES versucht, die Wege nachzuzeichnen, auf denen künstlerische und kulturelle Praktiken (kuratorische Projekte, wissenschaftliche Texte, Kampagnen von Aktivisten, Video und Film) diesen gegensätzlichen Verwicklungen begegnen. Bezug nehmend auf die spezifischen Konflikte ihrer eigenen belasteten Geographien werden die geladenen Gäste den verflochtenen und globalen Charakter dieser sich verändernden Voraussetzungen untersuchen. Das Programm der Reihe wurde im vergangenen Herbst konzipiert und unlängst an die aktuellen Verwicklungen der Pandemie angepasst.

Gefördert durch den Bezirkskulturfonds des Bezirksamt Mitte in Berlin

Erden Kosova ist Kunstkritiker in Berlin und Istanbul. 2017 kuratierte er die Ausstellung „Syndromes of the Present”, die in Thessaloniki, Izmir, Amsterdam und Berlin gezeigt wurde. 2019 war er Mitorganisator der Young Curators Academy, die im Rahmen des 4. Berliner Herbstsalons im Maxim Gorki Theater stattfand. Er war 2019 ebenfalls an der Ausstellung des Sis Collective „In the Blink of A Bird” in der nGbK beteiligt. Kosova ist Redakteur des Istanbuler Online-Magazins red-thread.org.

Galit Eilat ist freie Kuratorin und Schriftstellerin mit Sitz in Amsterdam. Sie entwickelte ihre Praxis durch eine Vielzahl von Plattformen und Rollen als Institutsleiterin und Herausgeberin von Büchern und einer Zeitschrift. Ihre aktuellen Forschungsschwerpunkte befassen sich mit dem Syndrom der Gegenwart und der Kunst unter Autoritarismus. Eilat ist Empfängerin des Keith Haring Fellowship in Art and Activism, Bard College, 2017-18 und seit 2018 Direktorin der Meduza Foundation.

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Demnächst
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Ein Reise-Kochbuch über den Spaziergang des Tigers

Workshopleitung Tuna Arkun und Heather Purcell

Der Tiger kommt zu Tisch

Jetzt geht es um die Wurst! So dachte der Tiger, als er zum ersten Mal in seinem Leben das Fleisch in so kleinen glänzenden Päckchen verpackt sah. Geruchsdicht und steril. Er hätte nicht sagen können, ob es sich um Schweinenacken, Rehbrust oder eine saftige Antilope handelt, wenn die Verkäuferin ihm die dazugehörigen Tiersymbole nicht gezeigt hätte. Wie viele Tiere in diesem Kühlschrank Platz gefunden hatten und woher sie gekommen waren, konnte die Dame aber nicht sagen. Dem Mann, der gerade an der Fleischtheke das Mittagsangebot verspeiste, war es auch Wurst, wie das Eisbein auf seinen Teller gekommen ist. Da der Tiger die Tiere mit vier Beinen, zwei Ohren und einem Schwanz kannte und er ein leidenschaftlicher Fleischfresser war, war die Wurst ihm nicht Wurst. Er machte sich auf den Weg, um die Tiere zu finden die später die Schnitzel werden. 

Fleisch und andere tierische Produkte sind jeden Tag in allen unseren Mahlzeiten dabei, aber einen Sonntagsbesuch im Schlachtbetrieb würde sich nicht jeder zumuten. Tiere finden wir süß, aber der Gestank im Stahl ist uns eher unangenehm.  Dass das Schnitzel mal ein Tier war ist heute nicht mehr allen klar. Noch tragischer ist, dass das Fleisch so billig zu erwerben ist, dass wir es ohne Bedenken wegschmeißen, wenn wir es nicht essen.

Uns ist Fleisch wertvoll, weil es das Leben eines Tieres bedeutet. Wir wollen mit  Kindern zusammen, mehr über die Vorgeschichte unseres Essens erfahren und uns anschauen, wo die Tiere leben, denen wir unser Essen verdanken. Mit unseren selbst gebundenen Skizzenbüchern besuchen wir verschiedene Bauernhöfe rund um Berlin, informieren uns darüber wie Milch und Fleisch produziert werden, zeichnen, fragen, kosten und kochen, zurück im Projektraum leckere Rezepte. Als Endprodukt wollen wir ein Buch gestalten, in dem wir unsere Bild- und Textrecherche zusammenfassen. Das Buch wird den Charakter eines Tagebuchs haben, in dem die Reise des Tigers ins Umland von Berlin zu den Orten an denen Tiere leben, dokumentiert wird und das durch unsere leckeren Rezepte ergänzt wird.

In Kooperation mit der MIK - Jugendkunstschule Mitte und der Humboldthain Grundschule

Gefördert durch das Projekt Jugend ins Zentrum! der Bundesvereinigung Soziokultureller Zentren im Rahmen des Programms Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung.

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Experimentelle Filmwerkstatt

Workshopleitung Svenja Schulte und Dennis Vetter

Experiment Film

Wir laden zu einer experimentellen Filmwerkstatt ein, in der wir das Kino durch die spielerische Auseinandersetzung mit echtem 35mm Filmmaterial verstehen lernen: Wie erzeugt sich eigentlich das Bild, das wir sehen? Welchen Einfluss hat Licht?  

In einem 4-tägigen Workshop tauchen wir in die Welt des analogen Films ein. Spielerisch und experimentell setzen sich die Kinder mit dem Filmmaterial auseinander und erfahren so, wie Film durch Licht, Schnitt und Ton entsteht. Analoge Filmtrailer werden zerschnitten und neu zusammengeklebt oder mit Farbe bemalt. Die Ergebnisse werden zwischendurch mit einem Projektor gesichtet, um nachzuvollziehen, was wir entstehen lassen können; mit Hilfe von Film und Licht.  Wir fühlen die Bilder und überlegen im zweiten Schritt gemeinsam welche Töne sie begleiten könnten, welche Musik wir ihnen live hinzufügen wollen.

Die Ergebnisse werden nach dem Workshop in einer Filmvorführung im bi’bak präsentiert, zu der die Kinder, Freunde, Familie und Nachbarn eingeladen werden. Zudem bekommt jedes Kind eine DVD mit den digitalen Filmversionen.

Ein Projekt von bi’bakwerk in Kooperation mit dem Hort der Erika Mann Grundschule

Gefördert durch der Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung und das Bezirksamt Mitte von Berlin

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Karawane, Kargo, Autokorso

Dinge, Menschen und Bilder in Bewegung

Von Anna Faroqui und Haim Peretz

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Karawane, Kargo, Autokorso

Mehr als je zuvor in der Geschichte ist unsere Welt durch Mobilität bestimmt: Ob beruflich bedingt, touristisch oder gezwungen durch Kriege und Konflikte, sind Menschen weltweit in Bewegung. Wer jedoch reisen darf und wer nicht, ist dabei ungleich reglementiert. Je nachdem ob „Expat”, „Tourist*in” oder „Migrant*in” wird durch Begrifflichkeiten differenziert, wer ein Recht auf Mobilität hat und wer nicht. Auch innerhalb der Stadt wird bei genauerem Hinsehen deutlich: Mobilität ist keine Selbstverständlichkeit, sondern abhängig von Einkommen, Aufenthaltsstatus und körperlichen Voraussetzungen. Ganz andere Regeln als für menschliche Reisende gelten in der Welt der Dinge und Waren, die sich häufig unbeschwert in globalen Handelsnetzen von einem Ort zum anderen bewegen dürfen. Im Gegensatz zu den mühsamen und riskanten Anfängen des Welthandels in Karawanen sind heute Millionen von Waren und Gütern auf dem ganzen Globus in Bewegung.

In zwei Workshops beschäftigen wir uns mit verschiedenen Formen des Unterwegsseins von Menschen und Dingen. Ausgehend von diversen Routen, Transportmitteln und Reiseanlässen untersuchen wir Formen jeglicher Mobilität, die sowohl Menschen als auch Waren und Güter von einem Ort zu dem anderen führen. 

Basierend auf den Überlegungen und eigenen Erfahrungen der Teilnehmer*innen entwickeln die Jugendlichen Szenen, die sie dann in Animationen verarbeiteten. Denn wie ließe sich besser über Mobilität erzählen als mit „bewegten” Bildern? Dafür lassen wir uns von den Ursprüngen des Films inspirieren, bei denen der Prozess der Bewegung im Gegensatz zu digitalen Technologien noch sichtbar wird: Dem Zoetrop, dem Thaumatrop, der Laterna Magica und dem Daumenkino. Die Jugendlichen experimentieren mit diesen alten Bewegtbild-Apparaten und präsentieren ihre Animationen am Ende in einer öffentlichen Ausstellung. 

Ein Projekt von bi’bakwerk in Kooperation mit der MiK Jugendkunstschule Berlin Mitte und der Theodor-Heuss-Schule
Gefördert durch der Berliner Projektfonds Kulturelle Bildung

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