Über

bi’bakino ist ein kuratiertes Filmprogramm, das transnationalen Narrativen, Migrations- und Mobilitätsdiskursen im Film nachspürt und rund um die Filme differenzierte Diskussion und Perspektivwechsel anregen will. Dabei legt das Programm einen Schwerpunkt auf Filme, die aus dem außereuropäischen Raum stammen oder in Berlin noch nicht oder nicht oft gezeigt wurden, sowie Archivausgrabungen und Wiederentdeckungen. Im Anschluss an die Filmvorführungen finden moderierte Gespräche mit Filmemacher*innen und Expert*innen statt.

Reihen
bis

Kuratiert von Sarnt Utamachote und Rosalia Namsai Engchuan

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un.thai.tled FILM FESTIVAL BERLIN 2020

„Thailändische" Identität ist zu einer Art Hyperrealität geworden. Bilder über Thailand werden seit Jahrzehnten verbreitet und sind längst verinnerlicht worden – auch von Thailänder*innen. Doch wenn Bilder von promiskuitiven Frauen und entsexualisierten Männern normalisiert werden, werden thailändische Menschen hinter diesen Stereotypen unsichtbar. Das un.thai.tled Film Festival hat zum Ziel, über diese eindimensionalen und oberflächlichen Repräsentationen hinauszublicken. Wie sieht eine kritische Auseinandersetzung mit diesen Klischees aus? Welche Gegenbilder finden sich in Filmen von thailändischen Filmemacher*innen? Das Filmprogramm, in dokumentarischen, poetischen und fiktionalen Formaten, ermöglicht diverse Einblicke, die über stereotype Darstellungen hinausgehen. Sie befassen sich eingehend mit sozialen Erfahrungen und vermitteln auf unterschiedliche Weise gelebte soziale Realitäten in Thailand und in der Diaspora. 

un.thai.tled vereint Künstler*innen und Kreative aus Thailand bzw. mit thailändischem Hintergrund in Deutschland, die sich gegen Unsichtbarmachung, Fremdzuschreibung und Ignoranz in den öffentlichen Diskursen des Westens einsetzen. Das Kollektiv kuratiert Kino- und Kulturveranstaltungen, in denen die Thailand-bezogenen Stereotype kritisch betrachtet und politisches Engagement unterstützt wird.

Rosalia Namsai Engchuan ist Anthropologin, Filmemacherin und Kuratorin mit Fokus auf Südostasien. Sie promoviert derzeit am Max Planck Institut für Sozialanthropologie mit einer Dissertation zum Thema Cinematic Practices as Collective Worldmaking. In ihren eigenen Videoarbeiten versteht sie das Filmen als Methode um unsichtbare Strukturen explizit zu machen und zu überwinden. Ihre Arbeiten wurden auf internationalen Filmfestivals gezeigt.

Sarnt Utamachote ist 1992 in Bangkok geboren und lebt seit 2015 in Berlin. Als Filmemacher setzt er sich kritisch mit Stereotypen auseinander und sucht nach den menschlichen Aspekten hinter der Oberfläche. Er arbeitet als Drehbuchautor, Regisseur und Editor verschiedener Kurzfilme und Musikvideos und ist in diversen Bereichen audiovisueller Medien, Ausstellung und Veranstaltungsmanagement tätig.

Zu den Veranstaltungen

Regie Aylin Kuryel und Fırat Yücel Türkei 2019

57 min, OmeU

Im Anschluss Gespräch mit Aylin Kuryel und Fırat Yücel

bis

FREUNDSCHAFT AUF ZEIT

Vertragsarbeit und Internationalismus in der DDR

Kuratiert von Tobias Hering und Sun-ju Choi

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Veranstaltungen

Regie Anocha Suwichakornpong, Ben Rivers und Tulapop Saenjareon

OmeU

Krabi 2562 + Room with a coconut’s view

KRABI 2562
Regie: Anocha Suwichakornpong/Ben Rivers, Thailand 2019, 94 Min.

Krabi 2562 erforscht die Landschaft und Geschichte des Tourismusziels Krabi im Süden Thailands. Die Filmemacher*innen fangen die Stadt in Momenten ein, in denen die prähistorische und die neuere Vergangenheit, verkörpert von verschiedenen Protagonist*innen, unbehaglich mit dem Jetzt aufeinandertreffen.

ROOM WITH A COCNUT'S VIEW
Regie: Tulapop Saenjareon, Thailand 2018, 28 Min. 

In Room with a coconut’s view führt Kanya ihren ausländischen Gast Alex durch eine täuschend hübsche Stadt am Strand. Alex ist unzufrieden mit den sterilen, touristischen Bildern und beschließt, alleine auf Entdeckung zu gehen. Langsam verflechten sich lokale Korruption und die Geschichte des thailändischen Kinos immer mehr und man beginnt sich zu fragen, inwiefern unser Verständnis der Welt durch Filme geprägt ist. Beide Filmewerfeneinen satirischen Blick auf den touristischen Süden Thailands, der weltweit als “exotisches Paradies” und für seinen Massentourismus bekannt ist, und brechen Stereotype durch eine Gegenüberstellung von lokalen und touristischen Perspektiven auf.

Im Anschluss an den Film: Discussion “On Thai Tourism” + Opening Party mit Thai food

Sarnt Utamachote ist 1992 in Bangkok geboren und lebt seit 2015 in Berlin. Als Filmemacher setzt er sich kritisch mit Stereotypen auseinander und sucht nach den menschlichen Aspekten hinter der Oberfläche. Er arbeitet als Drehbuchautor, Regisseur und Editor verschiedener Kurzfilme und Musikvideos und ist in diversen Bereichen audiovisueller Medien, Ausstellung und Veranstaltungsmanagement tätig.

Rosalia Namsai Engchuan ist Anthropologin, Filmemacherin und Kuratorin mit Fokus auf Südostasien. Sie promoviert derzeit am Max Planck Institut für Sozialanthropologie mit einer Dissertation zum Thema Cinematic Practices as Collective Worldmaking. In ihren eigenen Videoarbeiten versteht sie das Filmen als Methode um unsichtbare Strukturen explizit zu machen und zu überwinden. Ihre Arbeiten wurden auf internationalen Filmfestivals gezeigt.

Regie Visra Vichit-Vadakan und Foundation for Women

OmeU

Karaoke Girl + Westwärts: Südostasiatinnen in der BRD

KARAOKE GIRL (สาวคาราโอเกะ) 
Regie: Visra Vichit-Vadakan, Thailand 2013, 77 Min.

Sa, ein junges Mädchen vom Land, kommt in die große Stadt, um ihre Familie zu unterstützen und endet in der Sexarbeit. Diese Geschichte wurde schon unzählige Male im Kino erzählt, aber vielleicht noch nie so leichtfüßig und elegant wie in diesem jungen thailändischen Film. Er erzählt weniger von Sex gegen Geld als von Träumen und Hoffnungen – seien es die eigenen, oder diejenigen, die andere in einen setzen. Fiktion und Dokumentarisches fließen ineinander und vermischen sich zum vielschichtigen Porträt eines Karaoke Girls.

WESTWÄRTS: SÜDOSTASIATINNEN IN DER BRD
Foundation for Women, Deutschland 1990, 50 Min.

Vier Frauen von der Südostasien-Informationsstelle in Bochum und der Foundation for Women (FFW) in Bangkok haben gemeinsam einen Film über das Leben von Asiatinnen in der Bundesrepublik gedreht. Anhand dreier Frauenbiographien - einer in Trennung lebenden Thai, einer Ex-Prostituierten, und einer illegal lebenden philippinischen Hausangestellten - werden die persönlich und gesellschaftlich bedingten Motive der Emigration, ihr Tagesablauf in der Bundesrepublik und ihre Probleme im Alltag und mit den Arbeitgeber*innen thematisiert.

Ban-Ying e.V. ist eines der ältesten Berliner Frauenprojekte und setzt sich für die Rechte von Migrantinnen ein, die Erfahrungen von Gewalt, Ausbeutung oder Menschenhandel gemacht haben.

Regie Pimpaka Towira Thailand 2015

105 Min., OmeU

The Island Funeral

Dieses Roadmovie befasst sich mit den Problemen eines politisch gespaltenen Landes, in dem der Süden als Tourismusparadies vermarktet wird, das aber gleichzeitig am Rande eines Bürgerkriegs steht. Die junge Protagonistin Laila reist mit ihrem Bruder, einem Freund, und einem Soldaten in den Süden der Provinz Pattani, in den muslimischen Teil Thailands. Die Reise wird zu einem Moment der Reflexion über Unterschiede, die für viele Thailänder*innen aus anderen Teilen des Landes ein Problem darstellen.

Benjamaporn Rattanaraungdetch ist eine in Deutschland und Thailand lebende Kamerafrau. Sie ist Absolventin der Hochschule für Fernsehen und Film München (HFF) und hat für international anerkannte Künstler*innen und Filmemacher*innen wie Pimpaka Towira, Arin Rungjang und Bussaraporn Thongchai gearbeitet.

Regie Sompot Chidgasornpongse Thailand 2017

102 Min., OmeU

Railway Sleepers

1893 wurde die erste Bahnlinie in Thailand/Siam als Zeichen des Fortschritts und Wohlstands eröffnet. Schaut man heute aus dem Zugfenster, blickt man immer noch auf Reisfelder und Palmenlandschaften. Die beiläufig beobachteten Miniaturen des Alltags im Zug geben die Stimmung einer Gesellschaft wieder, die nicht zu wissen scheint, wohin sie sich eigentlich bewegt, während der Zug seit 100 Jahren das Land von Norden nach Süden durchquert.

Nut Srisuwan wohnt und arbeitet in Berlin und Bangkok. Er beschäftigt sich mit Urbanität, städtischen Lebensverhältnissen und der Struktur von Communities. In seinen Arbeiten versucht er dialogische Räume zu schaffen, in denen die Grenze zwischen Zuschauer*innen und Beteiligten verschwimmt.

OmeU

Kurzfilmprogramm: Deep South Youth Filmmakers

Deep South Young Filmmakers hilft Kindern aus dem strukturschwachen Süden Thailands sich auszudrücken und ihre Erfahrungen mit anderen zu teilen. Das Filmprojekt wurde von der Regisseurin Pimpaka Towira 2019 initiiert. Über zehn Monate haben Pimpaka und ihr Team aus Mentor*innen mit den jungen Filmemacher*innen zusammengearbeitet und eine Reihe von Kurzfilmen produziert. Pimpaka Towira wird drei dieser Filme in Berlin präsentieren.

THE LIFE
Regie: Muhamasubay Deng, Thailand 2019, 20 Min.

THE GHOST'S VIEW

Regie: Ajmal Rerngsamut, Thailand 2019, 19 Min.

MELAGU
Regie: Nurdeen Kasor, Thailand 2019, 24 Min.

Vorfilm: THE SEA RECALLS
Regie: Aekaphong Saransate, Thailand 2018, 28 Min.

In The Sea Recalls erinnert sich der Regisseur Aekaphong Saransate an seinen Onkel, der ein Jahr zuvor zusammen mit seiner Frau in seinem Haus ermordet wurde. Ein Jahr nach dem Mord kehrt Aekaphong in seine Heimatstadt zurück, um die Vergangenheit des Toten zu untersuchen und sich mit seiner Abwesenheit abzufinden.

OmeU

Kurzfilmprogramm: Reise des urbanen Geistes

Das Kurzfilmprogramm Reise des urbanen Geistes wirft einen Blick in die Metropole Bangkok, wo unterschiedlichste Menschen zusammenleben und die Stadt prägen. In FFF (2017) wird Bangkok zu einer Quelle von Schmerz und Trauma, in Planetarium Project (2017) dient der Betondschungel als Anfang und in The Mental Traveller (2019) als Endpunkt einer Reise, während in Flummoxed Cocoon (2017) unterdrückte körperliche Begierde zum Reisemotiv wird. Danach thematisiert die Performance Oh Missing Moon (2020) Heimweh als Dilemma des Unrückkehrbarens nach Thailand.

FFF (วิป)
Regie: Nonthachan Prakobsup (นนทจรรย์ ประกอบทรัพย์), Thailand 2017, 20 Min.    

FLUMMOXED COCOON (ดักแด้โกลาหล) 
Regie: Theerapat Wongpaisarnkit (ธีรภาส ว่องไพศาลกิจ), Thailand 2017, 28 Min.

THE MENTAL TRAVELLER 
Regie: Taiki Sakpisit (ไทกิ ศักดิ์พิสิษฐ์), Thailand 2019, 18 Min.  

PLANETARIUM PROJECT (ท้องฟ้าจำลอง) 
Regie: Kritsamas Ualapun (กฤษฏิ์สมัชญ์ เอื้อละพันธุ์), Thailand 2017, 27 Min.

Im Anschluss Performance Oh Missing Moon von Theerawat Klangjareonchai, Kantatach Kijtikhun und Raksa Seelapan (un.thai.tled CTM 2020)

Regie Rosalia Namsai Engchuan und Nonthawat Numbenchapol

OmeU

Im Anschluss Gespräch mit Nonthawat Numbenchapol

Soil Without Land + Complicated Happiness

SOIL WITHOUT LAND (ดินไร้แดน)
Regie: Nonthawat Numbenchapol, Thailand 2019, 80 Min.

Nachdem Jai Sang Lod 2001 mit seiner Familie auf der Flucht vor den Kämpfen zwischen birmanischen Streitkräften und der Minderheit der Shan in einem Auffanglager an der thailändischen Grenze ankommt, leistet er seinen Militärdienst bei der Shan State Army, um einen Personalausweis und staatliche Anerkennung zu bekommen. Soil Without Land setzt sich vor dem Hintergrund der Konflikte zwischen den Shan und Myanmar mit der Konstruktion von Männlichkeit im Militär auseinander.

COMPLICATED HAPPINESS 
Regie: Rosalia Namsai Engchuan, Deutschland/Thailand 2020, 26 Min.

Der Vorfilm Complicated Happiness zeigt die thailändische Gemeinde in Berlin vor dem Hintergrund kolonialer Verflechtungen und sexuellen Machtverhältnissen. Der Film, entstanden als Berührungspunkt und in Zusammenarbeit mit der Thaipark-Gemeinde, thematisiert die Vorstellung weiblicher Macht und ihre Beteiligung an einer Geschichtschreibung, die meist von Männer dominiert ist.

Nontawat Numbenchapol ist ein thailändischer Filmregisseur und Drehbuchautor, der für seine dokumentarischen Arbeiten bekannt ist. Er ist regelmässiger Kollaborateur des Palm d'Or-Preisträgers Apichatpong Weerasethakul. Seine Filme waren auf der Berlinale, dem Internationalen Dokumentarfilmfestival Amsterdam (IDFA) und dem Internationalen Dokumentarfilmfestival Yamagata zu sehen. Sein Film By the River (2013) war der erste thailändische Film, der vom Internationalen Filmfestival in Locarno die Auszeichnung "Special Mention" erhielt.

Regie Phuttiphong Aroonpheng Thailand 2018

105 Min., OmeU

Manta Ray

In einem thailändischen Küstenstädtchen findet ein Fischer einen bewusstlosen, stummen Mann im Wald; womöglich einer der vielen Rohingya-Flüchtlinge aus Myanmar. Der Fischer nimmt ihn bei sich auf und gibt ihm den Namen Thongchai. Als der er eines Tages verschwindet, übernimmt Thongchai langsam dessen Leben, sein Haus, seinen Job. Anstatt die üblichen medialen Narrative um Rohingya-Flüchtlinge zu bedienen porträtiert der Film die vielschichtigen Dimensionen und Verhandlungen von Macht im Alltag.

Im Anschluss Diskussion und Closing Party mit Southern Thai food

Koen de Rooij ist Filmkurator mit einem Schwerpunkt auf Ost- und Südostasiatisches Kino und seit 2017 Teil der IFFR Kurzfilm Auswahlkommission. Er interessiert sich für die Bedeutung nationaler Grenzziehungen, Migration und kolonialer Vergangenheit. Er hat mit einem MA in Asian Studies und Media Studies an Leiden University abgeschlossen.