Über

SİNEMA TRANSTOPIA

Wie lässt sich ein neues Kino in der transnationalen Gesellschaft gemeinsam gestalten? SİNEMA TRANSTOPIA, das Kino-Experiment von bi'bak, untersucht Kino als sozialen Diskursraum, als Ort des Austauschs und der Solidarität. Die kuratierten Filmreihen bringen diverse soziale Communities zusammen, verknüpfen geographisch entfernte und nahe Orte, Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und dezentrieren einen eurozentristischen Blick durch transnationale, (post-)migrantische und postkoloniale Perspektiven. SİNEMA TRANSTOPIA steht für ein anderes Kino, das sich zugleich einer lokalen und einer internationalen Community verpflichtet sieht, das Kino als wichtigen Ort gesellschaftlicher Öffentlichkeit versteht, das filmhistorische als erinnerungskulturelle Arbeit betrachtet und sich für die Vielfalt der Filmkultur und Filmkunst einsetzt. Im Haus der Statistik am Berlin-Alexanderplatz schlägt das Kino-Experiment eine Brücke zwischen urbaner Praxis und Film und kreiert ein Ort, der Zugänge öffnet, Diskussionen anregt, weiterbildet, bewegt, provoziert und ermutigt.

Gefördert durch den Haupstadtkulturfonds, die Conrad Stiftung und das Programm NEUSTART KULTUR

Die Veranstaltungsreihen können im Archiv abgerufen werden.

Reihen
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SİNEMANINO

Das Kinderprogramm von SİNEMA TRANSTOPIA

Konzept von Malve Lippmann und Dr. Martin Ganguly

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Common Cold

un.thai.tled Film Festival 2021

Kuratiert von Sarnt Utamachote und Rosalia Namsai Engchuan

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Sounding Womanhood

Feminist Gestures in Film

Kuratiert von Pia Chakraverti-Würthwein & Eirini Fountedaki

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Die fünfte Wand

Archivsichtungen mit Filmen von Navina Sundaram

Kuratiert von Merle Kröger und Mareike Bernien

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Kuratiert von Jade Barget und Elizabeth Gabrielle Lee

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Fatal & Fallen

Fatal & Fallen widmet sich dem Motiv der tödlichen, gefallenen und straffälligen Frau in ostasiatischen Exploitationfilmen. Das Programm umfasst die 1970er bis späten 1980er Jahre und untersucht Sexploitation-Filme aus Japan, Taiwan’s Black Movies, Hong Kong’s Girls with Guns und Thriller aus Südkorea. Diese oft marginalisierten Genres zeigen eine Unterwelt von Gefängnissen, Bordellen und Wohnungen als Orte des Verbrechens, der sexuellen Begierde und der Rache. Die Filme verweisen dabei auf den sozio-politischen Kontext der Region das Konjunkturtief der Nachkriegszeit, wankende Diktaturen, ausländische Militärherrschaft, den Kalten Krieg und eine rasante Industrialisierung –, für den sie in extremen, oft patriarchalischen und frauenfeindlichen Filmbildern ein Ventil finden. 

Trotz dem Bewusstsein für solche problematischen Darstellungen versucht Fatal & Fallen, das soziale und politische Wissen aufzuzeigen, das in der gesellschaftlichen Negativität dieser Filme steckt. Vor diesem Hintergrund zeigt Fatal & Fallen die Dynamik von Macht und Begehren in den trostlosen und aufgeladenen Territorien des ostasiatischen Exploitationkinos.

Fatal & Fallen wurde von September bis Oktober 2021 im Rahmen der Re:frame-Reihe im Asian Film Archive in Singapur gezeigt.

Gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Europa und das Programm NEUSTART des Bundesverband Soziokultur im Programmteil kulturelle und soziokulturelle Programmarbeit

XING ist eine Forschungs- und Kurator*innenplattform, die sich mit Praktiken bildender Kunst in Ost- und Südostasien sowie der Diaspora beschäftigt. Sie wurde von Elizabeth Gabrielle Lee gegründet und wird nun gemeinsam mit Jade Barget geleitet.

Elizabeth Gabrielle Lee ist eine interdisziplinäre Künstlerin, die zwischen bildender Kunst, kultureller und künstlerischer Forschung und Bildung arbeitet. Sie interessiert sich für die Auswirkungen schleichender Gewalt und die Freilegung von stummen Erzählungen.

Jade Barget lebt als Kuratorin in Paris und Berlin und interessiert sich für Bildschirm- und Bewegtbildkulturen. Ihre Forschung konzentriert sich auf die Beziehungen zwischen Medien und Erinnerung. Sie hat zahlreiche Programme kuratiert und ist Programmassistentin an der transmediale.

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Veranstaltungen
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Fatal & Fallen Workshops

Der Fatal & Fallen-Workshop lädt die Teilnehmer*innen zu einer kritischen Auseinandersetzung mit den sozio-politischen Themen in ostasiatischen Exploitationfilmen ein.

Erster Tag 
Freitag 27.05.2022 18:00 - 19:00 

Jade Barget und Elizabeth Gabrielle Lee stellen den Forschungsprozess vor, der der Kuration des Programms zugrunde liegt. In Zusammenarbeit mit der Künstlerin Katarina Sylvan zielen die moderierten Workshops darauf ab, den exzessiven Raum des Exploitationfilms neu zu erfinden und sich anzueignen. Die von uns untersuchten Genres - B-Serien, Exploitationfilme - nehmen in der Kinogeschichte einen marginalisierten Platz ein. Viele der Titel dieser Genres sind verschwunden, und was übrig geblieben ist, sind haupsächlich Plakate, Kritiken, Musik und Werbung. 

Zweiter Tag 
Samstag, 28.05.2022 11:00-17:00 Uhr (inkl. Mittagessen)

Wir werden unseren eigenen experimentellen Exploitation-Film in gedruckter Form herstellen. Die Teilnehmer werden gebeten, Bilder, Textfragmente oder anderes Material mitzubringen, das durch das Programm sowie ihre eigene Recherche und ihren Konsum von Exploitation-Filmen inspiriert wurde.

Dritter Tag 
Sonntag 29.05.2022 11:00-17:00 Uhr (inkl. Mittagessen)

Am letzten Tag des Workshops werden die Paraphernalia unseres Exploitation-Films hergestellt. Die Teilnehmer werden gebeten, Bilder, Textfragmente, Papier, Stempel und jegliches Material mitzubringen, das sie im DIY-Druckworkshop einsetzen können.

Teilnahmegebühr für Mittagessen und Materialien 25,00 €
Weitere Informationen und Anmeldung online

Regie Yasuharu Hasebe Japan 1970

80 Min., OmeU

Stray Cat Rock: Delinquent Girl Boss

Die rebellische Bikerin Ako (gespielt von der Popsängerin Akiko Wada) freundet sich im psychedelischen Japan der 1970er-Jahre mit der Bossin einer lokalen Frauengang namens Stray Cats an (gespielt von Meiko Kaji). Als ein Krieg zwischen den örtlichen Gangs ausbricht, schließt sich Ako mit den Stray Cats zusammen, um als Killer-Clique rivalisierende Gangs auf der Straße, im Boxring und in Clubs zu bekämpfen, in denen Liveauftritte echter Rockbands wie The Mops und The Ox zu sehen sind. Mit einer gehörigen Portion an Straßenkämpfen und Motorradverfolgungsjagden widmet sich Stray Cat Rock: Delinquent Girl Boss dem Motiv der Sukeban (kriminelle junge Frau) im pink film. Die Acid-Jugendkultur der 1970er Jahre durchtränkt die Leinwand mit kaleidoskopischen Bildern, Mode und Musik. Das Casting spiegelt die Einwanderungswellen des 20. Jahrhunderts in Japan wider: Der Boxer Kelly wird vom afroamerikanisch-japanischen Schauspieler Ken Sanders gespielt, Ako von Akiko Wada, einer Nachfahrin koreanischer Einwanderer*innen in Japan.

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Regie Corey Yuen Hong Kong 2002

110 Min., OmeU

Im Anschluss Gespräch mit Mie Hiramoto

So Close

Im Anschluss Gespräch über Zoom

Nachdem eine Bande von Auftragskillern ihre Eltern ermordet, erben zwei Schwestern das Familienunternehmen – ein hochmodernes Computerüberwachungssystem. Mit ihren neuen Fähigkeiten werden die Schwestern zu den erfolgreichsten Auftragskillern Hongkongs. Doch als sie einen wohlhabenden Magnaten ausschalten, ist ihnen plötzlich ein verdeckter Ermittler auf den Fersen. Loyalitäten werden auf die Probe und Allianzen in Frage gestellt, während das Überleben wird zum extremsten Sport von allen wird. Als Teil der zweiten Welle des Girls with Guns-Subgenres verweist So Close auf die Filme der 1980er Jahre mit starken, weiblichen Hauptfiguren – versteckt jedoch das weibliche Empowerment unter dem Deckmantel eines stark sexualisierenden männlichen Blicks. In einem Y2K-Stil mit den typischen Gadgets, der Mode und den Spezialeffekten der frühen 2000er fängt So Close den Techno-Optimismus des neuen Jahrtausends ein.

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Mie Hiramoto ist außerordentliche Professorin an der Fakultät für Englische Sprache und Literatur der National University of Singapore. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf Geschlecht, Sprache und weiblicher Aneignung asiatischer Männlichkeit in Martial-Arts-Filmen. Sie ist Mitherausgeberin des Magazins Gender and Language und Mitherausgeberin des Journal of Language and Sexuality sowie anderer Zeitschriften. Außerdem ist sie stellvertretende Leiterin des FASS-Forschungsclusters zu Geschlecht und Sexualität an der NUS. 

Regie Kim Ki-young Südkorea 1971

98 Min., OmeU

Im Anschluss Gespräch mit Nikki Ji-Yeon Lee

Woman of Fire

Im Anschluss Gespräch über Zoom

Auf einer Hühnerfarm kommt es zu einer Dreiecksbeziehung zwischen einem Komponisten, seiner Frau und einem jungen Mädchen vom Lande. Als sich das neue Hausmädchen in eine Femme Fatale verwandelt, wird ihr Leben durch eine Reihe von überraschenden Wendungen ins Chaos gestürzt. Woman of Fire ist eine Neuverfilmung von Kim Ki-Youngs Klassiker The Housemaid (1960) mit der Energie und Leidenschaft des koreanischen Kinos der 1970er Jahre. In diesem reißerischen Kammerspiel vor dem Hintergrund sozialer Ungleichheit betreiben beide Frauen ein Spiel der Verführung und des Betrugs, um schließlich gemeinsam mit dem Mann des Hauses unterzugehen. Im Zentrum des Films steht ein groteskes Melodrama, das die Fatalität und Aussichtslosigkeit von Frauenrollen im “Domestic Horror”-Genre auf den Punkt bringt. 

Die Vorführung des Films wird vom Koreanischen Filmarchiv unterstützt.

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Nikki J.Y. Lee ist Senior Lecturer an der Nottingham Trent University. Zu ihren Forschungsinteressen gehören die Geschichte des Noir-Genrefilms im südkoreanischen Kino und die Globalisierung der koreanischen Filmindustrie. An der School of Arts and Humanities der Nottingham Trent University unterrichtet sie hauptsächlich Asiatische Medien und Kino und Dokumentarfilm. Neben ihrer beruflichen Laufbahn als akademische Forscherin und Dozentin arbeitete sie als unabhängige Dokumentarfilmerin, als Dolmetscherin und Übersetzerin für filmbezogene Veranstaltungen und Medien und war an der Organisation des ersten Londoner Korean Film Festivals im Jahr 2001 beteiligt.

Regie Ouyang Chun Taiwan 1982

85 Min., OmeU

Im Anschluss Gespräch mit Ting-Wu Cho

Woman Revenger

Im Anschluss Gespräch über Zoom

Nachdem sie vom Mord an ihrer Jugendfreundin Mei-Hua erfahren hat, reist die Tanzlehrerin Ling-Ling nach Tokio, um den Fall zu untersuchen. Dort stößt sie mit skrupellosen Gangstern zusammen und verliert ein Auge. Sie gründet schließlich eine Truppe von Kämpferinnen, die sich an den Männern rächen, die sie missbraucht haben und sie auf die wildeste Art und Weise jagen und töten. In den 1980er Jahren herrschte in Taiwan seit über 30 Jahren Kriegsrecht. In den letzten Zügen einer gewalttätigen Diktatur entstand ein Kino, das eine urbane Unterwelt zeigt, dabei Jahrzehnte von Propagandakino unterläuft und so ein lange unterdrücktes kollektives Bewusstsein zum Vorschein bringt. Woman Revenger ist ein Beispiel für ein solches widerständiges Kino, das in ein Milieu aus Drogenhandel, Glücksspiel, Prostitution und Gewaltverbrechen eintaucht.

Die Vorführung dieses Films wird unterstützt durch das Taiwan Film and Audiovisual Institute und das Taiwan Cinema Toolkit.

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Ting-Wu Cho ist Doktorandin in Filmwissenschaft an der New York University. Ihr Dissertationsprojekt konzentriert sich auf Taiwan Pulp, eine Gruppe von wenig untersuchten Exploitationfilmen in Taiwan in der Zeit des späten Kalten Krieges. Ihre Forschungsinteressen umfassen Studien zur Filmindustrie, Genre-Studien, Medienethnographie und chinesischsprachige Filme, mit einem Schwerpunkt auf der taiwanesischen Filmgeschichte. Außerdem ist sie Gastkuratorin für das Woman Make Waves International Film Festival, Taiwan. 

Regie Stephen Shin Hong Kong 1991

91 Min., OmeU

Im Anschluss Gespräch mit Mie Hiramoto

Black Cat

Im Anschluss Gespräch über Zoom

Die rebellische und temperamentvolle chinesische Amerikanerin Catherine arbeitet als Kellnerin in New York City. Nach einem beinahe tödlichen Zusammenstoß mit einem Geheimagenten wacht sie in einer CIA-Einrichtung auf, wo ihr ein Mikrochip implantiert und sie zu einer kaltblütigen Killerin ausgebildet wird. Unter dem Decknamen “Black Cat” wird sie nach Hongkong versetzt, wo sie sich zwischen ihrer neu entdeckten Liebe und dem Geheimdienst entscheiden muss. Trotz seines Nihilismus entfernt sich Black Cat vom klassischen “Girls With Guns”-Modell, behält aber dennoch einige Züge des Genres bei. Es gibt nur wenige Kampfszenen, denn die Konflikte der Protagonistin spielen sich hauptsächlich psychologisch ab. Während Catherine sich in einen von der Regierung kontrollierten Cyborg verwandelt, ermöglicht der Film einen Einblick in die Komplexität des Technofeminismus und thematisiert die problematische Dynamik zwischen Frau, Disziplin und Maschine.

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Mie Hiramoto ist außerordentliche Professorin an der Fakultät für Englische Sprache und Literatur der National University of Singapore. Ihr Forschungsschwerpunkt liegt auf Geschlecht, Sprache und weiblicher Aneignung asiatischer Männlichkeit in Martial-Arts-Filmen. Sie ist Mitherausgeberin des Magazins Gender and Language und Mitherausgeberin des Journal of Language and Sexuality sowie anderer Zeitschriften. Außerdem ist sie stellvertretende Leiterin des FASS-Forschungsclusters zu Geschlecht und Sexualität an der NUS. 

Regie Teruo Ishii Japan 1970

85 Min., OmeU

Blind Woman’s Curse

Der Tachibana-Yakuza-Clan ist an den Tätowierungen auf dem Rücken seiner Mitglieder*innen zu erkennen: ein Drache, der die volle Gestalt erst annimmt, wenn sie sich nebeneinander aufstellen. Der Kopf des Drachens wird von der Anführerin Akemi getragen, die während eines Kampfes einer Gegnerin die Augen aussticht. Das blinde Opfer schwört Rache, tötet alle Mitglieder*innen der Gang und sammelt ihre tätowierten Häute, bis sie sich in einem spektakulären Schwertkampf Akemi gegenübersieht. Mit seiner grotesken, gewalttätigen und erotischen Bildsprache ist Blind Woman's Curse eine lebendige Mischung von Einflüssen aus Horror-, Yakuza- und Sexploitation-Filmen. Das Rachethema ist zwar ein wesentlicher Bestandteil der Handlung, wird aber letztlich unterlaufen, als die Protagonist*innen am Ende wehmütig über die Vergeblichkeit ihrer Rache sinnieren.

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